Mut zur Trauer

(Fotocredit: Shutterstock, susazoom)

Im vorliegenden Artikel sollen Möglichkeiten aufgezeigt werden, was Trauernde für sich selbst tun können. Die Bedeutung von Angehörigen und Freunden als Unterstützung wird betont. Darüber hinaus wird auf das Verhalten von Kindern und Jugendlichen eingegangen und schließlich festgehalten, dass Trauerverläufe nicht selten schwierig sind und professionelle Hilfe wichtig ist.

Ein Gastartikel von Mag. Maria Thaller

Der Verlust eines geliebten Menschen in Verbindung mit der Endgültigkeit des Todes gehört zweifellos zu den schmerzhaftesten menschlichen Erfahrungen. Dies erklärt auch, warum dieses Thema gerne vermieden wird.

Menschen gehen unterschiedlich mit Trauer um. Was den einen belastet, kann für den anderen tröstlich sein. Charakteristisch für einen normalen Trauerverlauf ist die mehr oder weniger stetige Abnahme des Trauerschmerzes und der damit verbundenen Intensität der erlebten Gefühle. In einen festen Zeitrahmen kann dieser Verlauf allerdings nicht gepresst werden.

Hilfe zur Selbsthilfe für Trauernde

  • Halten Sie Ihre üblichen Alltagsaktivitäten möglichst aufrecht!
  • Reden Sie über Ihren Verlust oder schreiben Sie Ihre Gedanken/Gefühle auf.
  • Legen Sie eine „Trauerbox“ an, in die Sie Erinnerungsstücke reingeben.
  • Tun Sie sich Gutes, und vermeiden Sie zusätzlichen Stress.
  • Versuchen Sie, den möglicherweise anderen Trauerumgang Ihrer Familienmitglieder zu akzeptieren und nicht zu bewerten.
  • Treffen Sie in der ersten Zeit nach dem Tod eines geliebten Menschen – wenn möglich – keine weitreichenden Entscheidungen (Umzug, Hausverkauf, Erbverzicht, Stellenkündigung etc.)
  • Wenn die Einschränkungen im Alltagsleben sehr belastend sind, Schlafprobleme, Schuldgefühle etc. länger andauern, zögern Sie nicht, und nehmen Sie professionelle Unterstützung in Anspruch.

Die Bedeutung eines sozialen Netzwerks für die psychische Gesundheit eines Menschen ist vielfach belegt. Verwandte und Freunde können besonders nach einem schweren Verlusterlebnis wertvolle Unterstützung geben:

Möglichkeiten, Trauernden zu helfen

  • Kleine Aufmerksamkeiten signalisieren Anteilnahme (Anruf, kurzer Besuch, gemeinsame Spaziergänge)
  • Dasein und zuhören: Immer wieder erzählen lassen.
  • Trauer nicht ausreden wollen – anerkennen, was ist.
  • Vorsicht an Wochenenden, Feiertagen und Jahrestagen: Diese Zeiten sind oft voller Erinnerungen und schmerzhaft für die Betroffenen.

Trauernde Kinder/Jugendliche verhalten sich oft auffällig unauffällig

Gerade bei jüngeren Kindern wechseln Gefühle auch nach Verlusterlebnissen sehr schnell, d.h.  sie können traurig und weinerlich sein, aber kurz darauf wieder vergnügt spielen.

Jugendliche hingegen verbergen ihre Trauer oft vor Gleichaltrigen, weil sie in dieser Altersstufe nach Konformität streben und keine Außenseiterrolle einnehmen wollen. Die Gefahr, dass ihr emotionaler Schmerz übersehen wird, ist daher groß. Es ist wichtig, dass Kindergarten und Schule über einen Todesfall in der Familie informiert werden.

Eine stabile Umgebung sowie die tröstende Fürsorge und Unterstützung Erwachsener sind wichtig. Zusätzlich kann es hilfreich sein, wenn Kindern und Jugendlichen verschiedene Möglichkeiten angeboten werden, mit ihrer Trauer umzugehen, z.B. durch basteln, malen, Gedichte oder Tagebuch schreiben. Überdies bietet z.B. Rainbows u.a. Trauergruppen für Kinder und Jugendliche an.

Komplizierte Trauerverläufe – professionelle Hilfe ist wesentlich!

Die Trauerforschung hat gezeigt, dass es Umstände gibt, welche die Stärke und Dauer der Trauer beeinflussen können, und zwar:

  • Art und Enge der Beziehung zum Verstorbenen
  • Umstände des Todes
  • Individuelle Bewältigungsstrategien
  • Vorhandensein eines sozialen Netzwerks

Vor allem bei Tod unter dramatischen Umständen, wie z.B. Unfalltod, Suizid oder Tod nach Gewalteinwirkung kann es zu einer Traumatisierung der Angehörigen kommen. Ein Trauma (griech.: Wunde) ist professionell zu behandeln, um Geschehenes aufzuarbeiten und die Entwicklung möglicher psychischen Folgeerkrankungen (wie bspw Depressionen, Panikstörungen, Suchterkrankungen) zu vermeiden.

Mag. Maria Thaller (Foto: Lilly)

Trauernde können sich an Beratungsstellen (z.B. bei der Caritas) wenden. In freier Praxis bieten Fachärzte für Psychiatrie, Klinische Psychologen und Psychotherapeuten professionelle Diagnostik und Unterstützung für Betroffene aller Altersstufen an.

Abschließend möchte ich aus meinen zahlreichen Begegnungen mit Trauernden bestätigen und Betroffene motivieren: Trauerarbeit lohnt sich! Viele Menschen, die stark unter dem Schmerz eines Verlusts gelitten haben, konnten durch die Auseinandersetzung mit ihrer Trauer wieder ihre eigenen Kraftquellen entdecken und letztlich Zuversicht sowie Lebensfreude gewinnen.

Autorenschaft: Mag. Maria Thaller ist Klinische Psychologin und Wahlpsychologin für Diagnostik in Wien-Mariahilf. Sie hat am Aufbau der Palliativstation im Krankenhaus Oberwart mitgewirkt. (Stand: März 2018)