KidsWingTsun – mehr als „nur“ Selbstverteidigung

(Foto: EWTO)

Sicher gesund groß werden: Gemäß diesem Motto bietet KidsWingTsun bereits Kindern ab drei Jahren Bewusstseinsbildung für Gefahrensituationen im Alltag, wie DaiSifu Matthias Gold, 6. Meistergrad WingTsun und EWTO-Schulleiter in Wien, im Interview erzählt.

Was ist WingTsun?

Treffen und nicht getroffen werden: WingTsun ist eine chinesische Kampfkunst mit der Spezialisierung auf reale Selbstverteidigung. Die Kampfkunst stammt aus dem alten China, bei der körperliche Kraft eine untergeordnete Rolle spielt und durch eine ausgeklügelte Technik ausgleichen wird. Diese umfassende Selbstverteidigungsart wurde von einer Frau für Frauen erfunden. Mit dem Ziel: sich gegen körperlich überlegene Gegner erfolgreich zur Wehr setzen zu können. Kurzum: Wie kann ich als Schwächerer jemanden überwältigen?

In den 70er-Jahren des 20. Jahrhunderts ist WingTsun durch Großmeister Prof. Dr. Keith R. Kernspecht nach Europa gekommen. Prof. Kernspecht ist Gründer der Europäischen WingTsun Organisation (EWTO) und stellte ein Konzept zusammen, das WingTsun mit modernen wissenschaftlichen Erkenntnissen kombiniert.

WingTsun ist aber weitaus mehr als das Erlernen von verschiedenen Kampftechniken. Es ist ein ganzheitliches Training, das sowohl auf der körperlichen als auch auf der mentalen Ebene unterrichtet wird und wobei es letztendlich um die Selbsterkenntnis geht.

Ist WingTsun eine Sportart?

DaiSifu Matthias Gold (Foto: EWTO)

WingTsun ist nie versportlicht worden. Was den Vorteil hat, dass man sich nicht irgendwelchen Regeln unterordnen muss. Denn was ist der Unterschied zwischen einer realen Selbstverteidigungssituation und einem Wettkampf? In einem Wettkampf ist beiden Kontrahenten bewusst, was passieren wird: Es gibt Gewichtsklassen. Frauen und Männer sind getrennt. Es gibt einen Zeitpunkt, auf den ich mich physisch und psychisch vorbereiten kann. Es gibt eine normierte Kampffläche. Es gibt Regeln und einen Schiedsrichter, der auf die Einhaltung der Regeln achtet.

Selbstverteidigung ist ein eher ritualisierter Kampf, der schon viel früher anfängt; nämlich mit einem Blickkontakt bzw. Körpersprache und handgreiflich enden kann aber nicht muss. Eigentlich fängt WingTsun dort an, wo die meisten Kampfsportarten aufhören.

Wie ist KidsWingTsun entstanden?

Unter den rund 60.000 Mitgliedern der EWTO mit vielen Schulen in Österreich, Deutschland und der Schweiz gab es im Lauf der Jahre immer mehr den Wunsch, ein Programm speziell für Kinder anzubieten. Grund genug um eine Expertengruppe aus u. a. WingTsun-Trainern, Entwicklungspsychologen und Kinderpädagogen zusammenzustellen. Im 1. Schritt wurde geklärt: Was kann Kindern in welchem Altern vermitteln werden? Was sollen die Kinder lernen?

Was bietet KidsWingTsun?

(Foto: EWTO)

Ganz nach dem Motto: Sicher gesund groß werden, geht es im KidsWingTsun um die Bewusstseinsbildung für Gefahrensituationen. Ein wesentlicher Teil sind Rollenspiele: Wie verhalte ich mich beispielsweise gegenüber Fremden am Schulweg? Darüber hinaus geht es um eine sinnvolle Bewegung als Ausgleich zum Kindergarten- und Schulalltag mit Übungen gemäß unseren sieben Fähigkeiten: Beweglichkeit, Körpereinheit, Bewusstsein, Kampfgeist, Balance, Gleichgewicht und Achtsamkeit.

Das Ziel ist, dass Kinder lernen, die Konflikte nicht mit Gewalt zu lösen: Sie lernen Konflikte nach dem Notensystem zu lösen: 1 ist eine rein „rhetorische Auseinandersetzung“ bis hin zu 4. Da geht es dann nicht mehr anders. Und die Situation muss körperlich gelöst werden.

KidsWingTsun ist es ein zertifiziertes Konzept für die Altersklassen 3 – 5 Jahren, 6 – 10 Jahren und 11 – 14 Jahren.

Mehr zu KidsWingTsun

Autorenschaft: Mag. Katharina Tentschert, Publizistin im Bereich Gesundheitskommunikation, in Abstimmung mit DaiSifu Matthias Gold, 6. Meistergrad WingTsun und EWTO-Schulleiter in Wien (Stand: April 2018)