Willkommen im Frühling

(Foto: Thinkstock, studiovespa, iStock)

Dem Element Holz, dem Neubeginn, der Mitte: Nach der stillen Dunkelheit des Winters drängen nun die Kräfte darauf, sich zu entfalten. Was es mit der „heiligen“ Mitte auf sich hat und wie TCM bei Beschwerden im Magen-Darm-Bereich helfen kann, verrät Barbara Bergmann.

Ein Gastartikel von Barbara Bergmann

Im Frühling erleben wir wie ein winziges Keimblättchen in der Lage ist, eine Menge Erde beiseite zu schieben, um sich dem Licht zu nähern und zu wachsen. Jeder Neubeginn muss sich gegen die bestehende Kraft durchsetzen. Die Energie des Holzes ermöglicht uns, unser Potential an Ausdrucksmöglichkeiten maximal auszuschöpfen. In uns schlummert die Sehnsucht nach persönlicher, geistiger und spiritueller Entwicklung. Dies kann nur in Gelassenheit und Elastizität geschehen. Ausgeglichene Menschen sind mit Anderen nachsichtig, ohne sich und die Ziele aus den Augen zu verlieren. Sie sind flexibel und können es sich erlauben, tolerant und großzügig zu sein, bleiben auch in schwierigen Situationen gelassen und haben eine klare und visionäre Vorstellung von der Zukunft.

Die „heilige Mitte“

Die dem Element Holz zugeordneten Organe sind Leber und Gallenblase; sie gehören mit dem Magen und der Milz zur „heiligen Mitte“.

Die Leber legt besonderen Wert auf Entspanntheit und verabscheut Stress, Druck und Multi-Tasking; jedoch begleiten uns genau diese sowohl tags als auch manch einen nachts. Die Leber verzeiht diese Missstände ein Zeit lang, doch irgendwann ist sie es Leid und die ersten Anzeigen wie Gemütschwankungen, PMS, Migräneattacken und Verspannungen in Schulter und Nackenbereich schleichen sich ein und werden zu geduldeten Begleitern.

Wenn die Verdauungskraft geschwächt ist

In weiterer Sicht reift eine Leber-Qi-Stagnation (d. h. der freie Fluss des Leber-Qi´s ist gestaut) heran und kann Magen-Darm-Erkrankungen auslösen, welche dann über den Kontrollzyklus der fünf Elemente die Funktion des Magen-Darm Traktes beeinträchtigt, so dass die Verdauungskraft des Körpers geschwächt wird und zahlreiche Beschwerden in diesem Bereich auftreten.

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Barbara Bergmann (Foto: privat)

In der chinesischen Medizin wird die Verdauungsfunktion dem historisch bedingten Begriff der „Milz“ zugerechnet, welche letztendlich den Prozess der Nahrungsaufnahme, Ausscheidung und Verstoffwechslung beschreibt. Eine Milz-Qi-Schwäche mit daraus resultierender Feuchtigkeit im Körper ist eines der bei uns im Westen häufigsten gesehenen Krankheitsmuster. Gerade hier kann durch gezielte Ernährung nach den 5 Elementen und unterstützende Kräutertherapie sehr gut geholfen werden.

Ursachenforschung bei Magenschmerz

Magenschmerzen treten in unterschiedlichen Situationen auf. Man unterscheidet hierbei die Art des Schmerzes und ob er vor oder nach einer Mahlzeit auftritt. Diese Kriterien sind wichtig für die richtige Diagnose nach der TCM-Lehre. Man erkennt hier ein Fülle oder Leere-Muster sowie eine Qi-Stagnation der betroffenen Organe wie Leber, Gallenblase, Milz und Magen.

Am häufigsten entstehen hier Probleme durch chronischen Stress und falsche Ernährungsgewohnheiten. Die chinesische Philosophie betrachtet die Bauchregion als „heilige“ Mitte und hat somit einen besonderen Stellenwert.

Ursachenforschung bei Magenbrennen

Die absenkende Funktion des Magens dient dazu, die aufgenommene Nahrung in den Dünndarm zu schicken. Eine Störung dieser physiologischen Funktion des Magens führt dazu, dass das Qi nicht nach unten abgeleitet werden kann und somit Magenbrennen verursacht. Bei dieser Art von Stagnation sind die Symptome meist nach dem Essen am stärksten.

Ursachenforschung bei Übersäuerung

Wenn der Magen zu viel Säure produziert, kann dies verschiedene Ursachen haben. Es wäre somit nicht hilfreich nur die Symptome zu bekämpfen, sondern es müssen die pathogenen (d. h. krankheitsverursachenden) Faktoren ermittelt und beseitigt werden.

Zu den Faktoren, die eine Übersäuerung des Magens begünstigen, gehören Stress, Nikotin, Alkohol, Kaffee und eine ungesunde Ernährung. Alle Nahrungsmittel wirken nämlich wie eine Arznei und somit ist es hier besonders wichtig seine Ernährung umzustellen, denn die chinesische Medizin sagt: „Heilung besteht zu 20% aus Akupunktur und Kräutern und zu 80% aus Lebenspflege (Ernährung, Entspannung).“

Ursachenforschung bei Übelkeit

Nach der traditionellen chinesischen Medizin rebelliert bei Übelkeit das Magen-Qi und fließt nicht abwärts. Der Grund hierfür ist meisten eine Disharmonie von Leber und Magen. Das Holzelement (Leber) kontrolliert hier zu stark das Erdelement (Magen). Schnelle Hilfe bringen hier: Stärkung des Magen-Qi und Besänftigung des Leber-Qi durch Kräuter, Ausgleich über die Akupunkturpunkte und Änderung der Essgewohnheiten.

Wissenswert rund um den Magen

Auch hier müssen zahlreiche Syndrome unterschieden werden. Magenbeschwerden beispielsweise können durch einen Qi-Stau, eine Überhitzung oder auch durch zu viel Kälte oder Feuchtigkeit oder durch einen Yin-Mangel und andere Syndrome bedingt sein, welche alle wiederum eine unterschiedliche Therapie benötigen.

Häufige Krankheitsmuster bei Darmerkrankungen sind neben der Milz-Qi-Schwäche mit Feuchtigkeit auch Schleim und Hitzesymptomatiken oder auch ein Yang-Mangel der auf Grund einer Nierenschwäche entstehen kann, welche dann die Verdauungsfunktion beeinträchtigt.

Leber und Gallenblasenerkrankungen werden in der TCM dem Holzelement zugerechnet, Magen-Darm und Pankreasbeschwerden in den meisten Fällen dem Erdelement.

Kleine Veränderungen können Großes bewirken

Das Bewusste-Sein in allen Bereichen des Lebens lässt das Qi frei fließen und ist die Wurzel zu einem gesunden und ausgeglichenem Leben – frei von Stagnationen.
Das wäre ein guter Ansatz, löst bei manchem wieder Druck aus. Und dies führt wiederum zur Leber-Qi-Stagnation. Deshalb einen Schritt nach dem anderen. Meist sind es kleine Veränderungen die Großes bewirken.

Barbara Bergmann, Innerhealth, Energetikerin nach traditioneller chinesischer Medizin und emotionaler Balance, Tuina AnMo Practitioner (iA.u.S.) (Stand: März 2015)