Sportverletzungen

Was tun, wenn man sich verletzt hat? Die PECH-Regel beachten, rät Unfallchirurg und Kniespezialist Dr. Markus Figl im Interview und erklärt, worauf es beim Sport für Jung und Alt im Freien ankommt.

Die Sonne scheint, die Temperaturen sind bereits hochsommerlich und man hält sich bevorzugt im Freien auf. Auch sportliche Aktivitäten werden vermehrt an die frische Luft verlegt. Dabei steigt zum Leidwesen vieler Athleten auch die Gefahr von Sportverletzungen.

Wie viele Sportverletzungen gibt es pro Jahr in Österreich?

Laut einer Statistik des Kuratorium für Verkehrssicherheit verletzen sich jährlich 200.000 ÖsterreicherInnen bei Sportunfällen so schwer, dass eine Behandlung in einem Krankenhaus notwendig ist.

Welche Sportarten sind am gefährlichsten?

Nahezu ein Viertel der Betroffenen verletzt sich während der warmen Sommermonate beim Fußball oder beim Radfahren, gefolgt von Wandern, Joggen und Mountainbiken. Grundsätzlich sind diese Sportarten aber die klassischen Breitensportarten, die von den ÖsterreicherInnen auch mit großer Vorliebe ausgeübt werden.

Wie lassen sich Sportverletzungen vermeiden?

Wichtig ist, Sport niemals ohne vorangehendes Aufwärmen zu betreiben. Das Verletzungsrisiko vermindert sich durch Aufwärmen deutlich. Für Sportler gilt auch: Die eigenen Grenzen kennen und moderat trainieren. Wer seine Leistungsgrenzen überschreitet, dem droht schnell eine Sportverletzung. Nicht zuletzt ist auch die richtige bzw. sichere Ausrüstung ein wichtiger Punkt: Radhelme schützen vor schweren Kopfverletzungen, das richtige Schuhwerk beim Wandern beugt beispielsweise auch Bänderrissen vor.

Foto_Dr. Figl

Spezialgebiete von Priv.Doz. Dr. Markus Figl sind Meniskusriss, Kreuzbandriss und Sportverletzungen (Foto: Dr. Figl).

Welche Sportverletzungen treten am häufigsten auf und wie werden diese behandelt?

Zu den häufigsten Sportverletzungen zählen sicher der Kreuzband- und der Meniskusriss im Knie, der Bänderriss am Sprunggelenk und der Muskelfaserriss am Oberschenkel. Vor allem Kreuzbandrisse im Knie bedürfen einer operativen Versorgung. Ohne Operation würde eine Instabilität verbleiben, die zu einer frühzeitigen Arthrose führen kann. Bei Meniskusrissen ist ein arthroskopischer Eingriff notwendig, um den Meniskus langfristig in seiner Funktion zu erhalten. Bänderrisse am Sprunggelenk werden heutzutage fast gar nicht mehr operiert. Studien haben gezeigt, dass die Behandlung mit speziellen Orthesen und Schienen zu guten Ergebnissen führt. Muskelzerrungen und Muskelfaserrisse sollten nach fachärztlicher Abklärung gemeinsam mit einem kompetenten Physiotherapeuten zur Ausheilung gebracht werden. Eine Sportpause ist für mindestens sechs Wochen anzuraten.

Was tun, wenn man sich doch verletzt hat?

Dann gelangt die sogenannte PECH Regel zur Anwendung: Pause. Eis. Compression. Hochlagern. Ich warne eindrücklich davor, die Zähne zusammenzubeißen und weitermachen. Das Training sollte pausiert und die verletzte Stelle gekühlt werden, auch damit die Schwellung nicht so stark wird. Durch Druck von außen – die Compression – kann die Schwellung vermindert werden. Eine elastische Binde mit leichter Spannung ist dafür geeignet. Hochlagern von verletzten Armen und Beinen verringert ebenfalls die Schwellung und hilft, dass ausgetretene Gewebsflüssigkeit wieder über die Lymphbahnen abtransportiert wird.

(Foto: Pressmaster, Fotolia)

Welchen Tipp geben Sie Eltern von sportbegeisterten Kindern?

Gerade Kinder und Jugendliche überschätzen häufig die eigene Leistung und haben ein wenig ausgeprägtes Risikobewusstsein. Auch sie sollten sich vor dem Sport aufwärmen und dies als selbstverständlich erachten. Ausrüstung, Schuhe und Helm sollten genau passen und regelmäßig auf Funktionstüchtigkeit kontrolliert werden – beispielsweise sitzt der Radhelm auch richtig? Und natürlich sollten auch Kinder ausreichend trinken und sich ausgewogen ernähren – daher besser den Müsliriegel als den Schokoriegel einpacken. Auch während des Sports sind Erholungsphasen zwischendurch wichtig – eine Übermüdung führt schnell zu einer schwerwiegenden Sportverletzung.

Autorenschaft: Mag. Verena Flatischler, Kommunikationsberaterin in Wien, in Abstimmung mit Priv.Doz. Dr. Markus Figl , Unfallchirurg und Kniespezialist im Ordinationszentrum Döbling in Wien und in Tulln (Stand: Juli 2015)