Unterschätztes Risiko

Wenn Sodbrennen häufiger auftritt, besteht medizinischer Abklärungsbedarf, denn sonst kann sich eine schmerzhafte Entzündung der Speiseröhre entwickeln, wissen die Chirurgen OA Dr. Marcus Fink und OA. Dr. Georg Tentschert.

(Foto: Thinkstock, Nikolay Trubnikov, iStock)

Eine gesellige Runde, ein üppiges Abendessen, ein Glaserl Wein und ein unliebsamer Gast: das Sodbrennen. Schon wieder da, schon wieder unangenehmen. Doch was, wenn das Sodbrennen immer häufiger aufritt? Und aus einer flüchtigen Bekanntschaft ein Dauergast wird?

Wenn neben Sodbrennen auch Schluckbeschwerden, Brustschmerzen sowie Aufstoßen von Magensaft bzw. Speisebrei auftreten, wobei sich die Beschwerden beim Essen oder im Liegen verstärken, spätestens dann sollte man medizinischen Rat einholen und die Beschwerden abklären lassen. Denn all das kann ein Hinweis auf eine mögliche Refluxerkrankung sein.

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OA Dr. Georg Tentschert (Foto: www.bhs-wien.at)

Was ist Reflux?

„Von Reflux spricht man dann, wenn es zu einem Rückfluss von Magensäure in die Speiseröhre kommt“, so OA Dr. Georg Tentschert, Reflux-Ambulanz am Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern Wien. „Der Grund dafür ist u. a. eine Gewebeschwäche, im Bereich des Überganges von der Speiseröhre in den Magen. Durch diese anatomische Veränderung kommt es zu einem ungenügenden Verschluss des unteren Speiseröhrenschließmuskels, was zu einem Rückfluss der Magensäure in die Speiseröhre führt. Reflux kann eine chronisch entzündliche Veränderung der Speiseröhre mit Ausbildung eines sogenannten Barrett-Ösophagus zur Folge haben. Dabei kommt es zur Gewebsumwandlung der Schleimhaut in der Speiseröhre.“

Therapieoptionen – je nach Schweregrad

Von der Gewichtsabnahme und Ernährungsumstellung über die medikamentöse Therapie mit Protonenpumpenhemmern (sog. Magenschutz) bis hin zur Operation reicht das mögliche Therapiespektrum – abhängig vom Krankheitszustand des Betroffenen.

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OA Dr. Marcus Fink (Foto: www.bhs-wien.at)

„Mit der Reflux-Ambulanz haben wir die Möglichkeit, die gesamte Abklärung von der Anamnese über die Gastroskopie bis zur Ösophagusmanometrie und 24-Stunden pH-Metrie durchzuführen“, informiert OA Dr. Marcus Fink. „Die Möglichkeiten der Behandlung können dann individuell nach Vorliegen der Untersuchungsergebnisse mit dem Patienten besprochen werden.“

Bei Reflux gilt die 10% Regel

10% der Bevölkerung leiden unter Reflux. Davon besteht bei ca. 10% die Indikation zu einer Operation. Ohne eine Operation entwickeln davon etwa 10% eine chronisch entzündliche Veränderung der Speiseröhre (sog. Barrett-Ösophagus), die bei etwa wiederum 10% zum Speiseröhrenkrebs führen kann.

Dauerhafte Beschwerdefreiheit

Mit einer medikamentösen Therapie können die Beschwerden in den meisten Fällen gut behandelt werden. Allerdings kann eine langfristige, über Jahre hinweg andauernde Medikamenteneinnahme auch mit Nebenwirkungen verbunden sein. Eine Operation ist oftmals die einzige Möglichkeit, die Beschwerden dauerhaft in den Griff zu bekommen. „Die Operationsmethode der Wahl ist eine laparoskopische Fundoplikation“, erklärt OA Dr. Georg Tentschert.

Bei laparoskopischen Operationstechniken werden nur noch wenige ca. 5-10 mm große Schnitte gesetzt, über die die Operationsinstrumente eingeführt werden können. „Bei dieser Operationsmethode wird die Zwerchfelllücke, durch die die Speiseröhre tritt, wieder eingeengt und der Magen in den Bauchraum zurückverlagert“, ergänzt OA Dr. Marcus Fink. „Dann wird eine ringförmige Magenmanschette um die Speiseröhre angelegt, die den Schließmuskel wie einen Kragen umfasst und auf diese Weise verstärkt. Die Ergebnisse sind so gut, dass im Langzeitverlauf 98% der Patienten mit dem Operationsergebnis zufrieden sind und sich wieder operieren lassen würden.“

 

Autorenschaft: Mag. Katharina Tentschert, Publizistin im Bereich Gesundheitskommunikation, in Abstimmung mit OA Dr. Georg Tentschert und OA Dr. Marcus Fink, Fachärzte für Chirurgie (Stand: Jänner 2014 – September 2016)