Psychologie und Portraitfotographie

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Melancholie: Bild aus dem Buch von Sven Barnow: Psychologie der Fotografie, dpunkt.verlag GmbH

Das Wesen des Menschen in der Fotografie sichtbar zu machen und über die Fotografie Einsichten in das Denken und Fühlen eines Menschen zu gewinnen, ist eines der Anliegen des Psychologen und leidenschaftlichen Fotografen, Prof. Dr. Sven Barnow.

Ein Gastartikel von Julia Dorninger

Elementare psychologische Kenntnisse können einem Fotografen wesentlich helfen, eine vertrauensvolle Beziehung zu seinem Modell aufzubauen. Umgekehrt kann Fotografie Einfluss auf die menschliche Psyche nehmen und in der Psychotherapie die Behandlung von psychischen Problemen unterstützen.

Ein flüchtiger Moment, der die ganze Geschichte erzählt

In seinem Buch „Psychologie der Fotografie“ erklärt Prof. Dr. Sven Barnow das Zusammenspiel und die Wechselwirkungen von Psychologie und Portraitfotografie:„Als Psychologe und leidenschaftlicher Fotograf möchte ich sowohl einen Moment einfangen, der so leicht nicht mehr herstellbar ist, aber gleichzeitig auch die ganze Geschichte erzählen; das ist es, was Menschenfotografie für mich ausmacht“. Dafür brauche es Entschleunigung, Achtsamkeit und Fokussierung auf den Prozess.

Den Menschen in seiner Gesamtheit erfassen

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Bild aus dem Buch von Sven Barnow: Psychologie der Fotografie, dpunkt.verlag GmbH

Um ein wahrhaftes, ehrliches Portrait zu erstellen, muss der Fotograf die Person in ihrer Gesamtheit wahrnehmen; nicht ihr Äußeres, sondern ihr Wesen abbilden. Der Fotograf braucht ein Gespür für die Persönlichkeit und Geschichte seines Gegenübers. Dabei ist eine psychologische Herangehensweise besonders hilfreich.

Der therapeutische Nutzen von Fotografie

Die Fotografie lässt sich aber auch therapeutisch nutzen: Sowohl in der Begegnung mit sich selbst als auch im Sinne der Hilfe für andere. Prozesse zwischen Bild und Betrachter sowie dessen Reaktionen auf die Fotoinhalte können ein Bewusstsein über die Entwicklung der eigenen Persönlichkeit schaffen.

Das Buch bietet Einblicke in den Bereich der Kreativität und greift Themen wie Kopf-versus-Bauch und Mindfulness auf. Es ist ein wertvoller Beitrag dazu, wie Wissenschaft und Kunst voneinander profitieren und lernen können.
Prof. Dr. Sven Barnow ist Psychologe, Psychotherapeut, Supervisor/Coach und Ordinarius sowie Leiter der Arbeitseinheit Klinische Psychologie und Psychotherapie am Psychologischen Institut der Universität Heidelberg

Buchtipp

Barnow, Psychologie der Fotografie_U1 KopieBarnow, Sven: Psychologie der Fotografie: Kopf oder Bauch? Über die Kunst, Menschen zu fotografieren, dpunkt.verlag GmbH

Mehr Bilder und ein Interview mit Prof. Dr. Sven Barnow

Autorenschaft: Julia Dorninger, DI der Architektur und Künstlerin (Stand: Juni 2016)