Pilates

„Nach 10 Stunden spüren Sie den Unterschied; nach 20 Stunden sehen Sie ihn. Nach 30 Stunden haben Sie einen neuen Körper!“ Was hinter diesem gewagten Ausspruch des Methodenbegründers Joseph Pilates steht, verrät die Trainerin Elisabeth Rosen im Interview.

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Foto: Elisabeth Rosen

Warum hat Joseph Pilates diese Trainingsmethode entwickelt?

Joseph Pilates hat schon zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts seine Methode entwickelt. Er hat auf Grund seiner eigenen körperlichen Probleme (u. a. Rachitis, Asthma) schon sehr früh mit sportlicher Betätigung begonnen und all die positiven Effekte seiner Erfahrungen in sein Bewegungsprogramm integriert.

Er hat erkannt, dass bewusste Konzentration erforderlich ist, um korrekte Bewegungen auszuführen. So können die Körperhaltung entscheidend verbessert und Haltungsfehler korrigiert werden. Zudem hat er seine Bewegungsabfolgen als intensives Training zur Stärkung betrachtet. Ein wichtiger Teil ist die Atemtechnik und die Aktivierung der Tiefenmuskulatur, wodurch erst die für gesunde Bewegungsabläufe erforderliche Stabilität möglich ist.

Wesentlich für seinen schon damaligen Erfolg war, dass seine Methode präventiv und rehabilitativ wirkt. Er hat in New York am Broadway sein Studio eröffnet, dort mit verletzten Balletttänzerinnen gearbeitet und diesen wieder zurück in den Beruf geholfen.

Das klingt nach einem revolutionären Denkansatz für die damalige Zeit.

Joseph Pilates war ein Visionär und seiner Zeit weit voraus: Zu der damaligen Zeit gab es seiner Meinung nach kein vernünftiges, gesundheitsförderndes Programm. Ziel seines Denkansatzes war es, die Kontrolle des Geistes über den Körper zu erreichen. Heute wurde nur Unwesentliches an seiner Methode ergänzt und aus sportwissenschaftlicher Sicht adaptiert.

Wie wirkt Pilates?

Pilates wirkt in erster Linie stabilisierend, da mit jeder Ausatmung bewusst der Beckenboden mit seinen tiefliegenden Schichten aktiviert wird, sowie der Musculus Transversus, der den Rumpf insbesondere an der Lendenwirbelsäule stützt.

Die Konditionierung dieser (und noch anderer) tiefliegender Stabilisatoren bewirkt, dass der Körper während einer Bewegung optimal ausgerichtet ist und dadurch eine reibungslose Gelenkbeweglichkeit ermöglicht.

Die Einhaltung der Pilates-Prinzipien wie Entspannung, Atmung, Zentrierung, Ausrichtung, Konzentration und Bewegungsfluss unterscheiden die Methode von jeder anderen Art der Gymnastikformen.

Was bewirkt das regelmäßige Training?

Ein Training nach Pilates kann, regelmäßig nach den Anweisungen und diszipliniert durchgeführt, den Körper und das Körpergefühl tatsächlich komplett verändern: Durch zielgerichtete Dehn- und Kräftigungsübungen wird die Muskelbalance wiederhergestellt und der Körper von oben bis unten gestrafft; was vor allem die so genannten weiblichen Problemzonen geschmeidig und zugleich fest werden lässt. Die Gelenke profitieren von der neuen Freiheit, haltungsbedingte Schmerzen werden gelindert oder sogar ganz beseitigt.

Die Effekte:

  • Die Folge ist eine bessere Kondition sowie mehr Kraft und Belastbarkeit im Alltag.
  • Die Körperhaltung wird sichtbar aufgerichtet und wirkt gelöst und selbstbewusst.
  • Die Atmung ist entspannter.
  • Die Statur ist rundum straffer.

Man wird nicht nur beweglicher und gesünder, sondern profitiert zudem von einer mentalen Ausgeglichenheit, die eine positive Ausstrahlung schenkt. Pilates bietet Muskelaufbau und körperliche Stärkung und eignet sich hervorragend zur Gesundheitsvorsorge.

Was sind die Vorteile der Methode?

Der Vorteil ist – neben den vielen beschriebenen positiven Effekten – dass man die Bewegungsabfolgen überall durchführen kann. Man braucht lediglich eine Matte und einen ruhigen Platz.

Zum Erlernen der Prinzipien und der vielen verschiedenen Übungen empfiehlt es sich jedoch, einen Trainer aufzusuchen, der einem erklären kann, worum es bei der Ausführung geht, worauf man achten muss und der vor allem korrigieren kann, damit sich keine Fehler bei der Ausführung einschleichen können. Von älteren Menschen bis zu Spitzensportlern: Pilates ist für jeden gleichermaßen geeignet und kann individuell angepasst werden.

Kann Pilates auch im Rahmen einer Rehabilitation eingesetzt werden?

Generell gilt: Pilates ist sehr gut für die Prävention geeignet. Bei rehabilitativen Maßnahmen muss man immer Rücksprache mit dem behandelnden Arzt halten und zu Beginn nur im Einzeltraining arbeiten.

Gerade in unseren Studios sind wir sehr bedacht auf die gute Qualität der Betreuung. Daher arbeiten wir sehr eng mit Ärzten zusammen; diese freuen sich insbesondere, ihren Patienten nach einer absolvierten Physiotherapie (z. B. nach Operationen oder nach Bandscheibenproblemen bzw. gegen Beckenbodensenkung) ein Langzeittraining anbieten zu können.

Wie findet man einen qualifizierten Trainer in der Wohnortnähe?

  • Achten Sie auf eine gute Ausbildung des Trainers.
  • Der Trainer sollte zumindest 150 Ausbildungsstunden haben,
  • Mitglied im Pilates Verband Austria sein,
  • idealerweise ein medizinisches Hintergrundwissen wie Physiotherapie haben.

Vor dem Beginn eines Gruppentrainings ist eine Schulung der Körperhaltung im Einzeltraining unter Berücksichtigung der Kenntnisse aus der Spiraldynamik (d. h. gesundes Bewegen) wichtig.

Weiterführende Informationen

Autorenschaft: Mag. Katharina Tentschert, Publizistin im Bereich Gesundheitskommunikation, in Abstimmung mit Elisabeth Rosen, diplomierte, zertifizierte Pilates-Trainerin, diplomierte Gesundheits- und Krankenschwester, akademisch geprüfte Krankenhaus-Managerin (Stand: März 2014-April 2016)