Innovative OP-Technik (2)

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(Foto: Thinkstock, StudioM1, iStock)

Österreich liegt bei SILS-Eingriffen international gesehen im Spitzenfeld informiert der Chirurg Dr. Christian Enserer. Die SILS-Technik ist eine Weiterentwicklung in der minimal-invasiven Chirurgie, ein Schritt in Richtung: noch weniger invasiv!

Mit dem Ziel das operative Trauma der minimal-invasiven Chirurgie noch weiter zu verringern, wurde in den letzten Jahren die SILS-Technik (Single Incision Laparoscopic Surgery) entwickelt. Auch wird die Bezeichnung Single-Port-Chirurgie verwendet. Im Gegensatz zur traditionellen laparoskopischen chirurgischen Technik, die in der Regel 3 bis 5 kurze Schnitte (je 5-12 mm) – über den Bauch verteilt –erfordert, setzt man bei einem SILS-Eingriff nur noch einen Schnitt mit einer Länge von ca. 15-30 mm – in der Tiefe des Nabels, sodass im Idealfall keine Narbe sichtbar wird.

Einsatz von Single-Port-Trokar

„Über den Nabel-Schnitt kann ein Single-Port-Trokar (d. h. OP-Hülse, mit Kanälen für Optik und Instrumente) mit bis zu 6 Arbeitskanälen in den Bauchraum eingeführt werden“, informiert Dr. Christian Enserer; über diese kann mit den unterschiedlichsten Instrumenten gearbeitet werden. Je nach Operationsgebiet werden dann der anatomischen Region entsprechend auch krümmbare bzw. abwinkelbare Instrumente eingesetzt; gelegentlich müssen die zur Präparation erforderlichen Instrumente auch über Kreuz geführt werden. Dies erfordert ein Umlernen bei den Operateuren und unterstreicht die Wichtigkeit eines erfahrenen Chirurgen mit einem gut eingespielten Team.

Erst die Technik macht es möglich

Auch wenn bereits vor über 10 Jahren die ersten SILS-Operationen durchgeführt wurden, hat – ähnlich wie bei der traditionellen laparoskopischen Chirurgie – erst der technische Fortschritt der SILS-Methode den Weg in den Operationssaal geebnet. Auf Grund der Entwicklung von 5-mm-Optiken sowie abwinkelbaren und drehbaren5-mm-Instrumenten wurde es möglich, nur durch einen kleinen einzigen Schnitt komplexe chirurgische Eingriffe vorzunehmen.

Anwendbarkeit und Grenzen

Bei SILS handelt es sich um einen rein laparoskopischen Eingriff, wobei weder eine zusätzliche Endoskopie noch eine Verletzung eines gesunden, nicht-betroffenen Organes notwendig ist, um an das OP-Gebiet zu gelangen.

Neben den Portsystemen werden die bisher vorhandenen Instrumente und Operationsabläufe der Laparoskopie verwendet. In puncto Vorbereitung und Lagerung der Patienten gibt es keine Unterschiede zu traditionell durchgeführten laparoskopischen Eingriffen.

„Die Technik kann bei nahezu allen minimal-invasiven Eingriffen eingesetzt werden, bei denen mit 3 oder mehr Zugängen gearbeitet wird bspw. Appendektomie d. h. Blinddarm-OP, Gallenoperationen, Dünndarmteilresektionen, Colonresektionen oder gynäkologische Eingriffe auch bariatrische Eingriffe (Gastric Sleeve Magenbypass) und Leberresektionen“, informiert der Chirurg.

Die SILS-Vorteile im Überblick

• Die Operation hinterlässt keine sichtbaren Narben.
• Der Einsatz von laparoskopischen Standardinstrumenten ist möglich.
• Die Technik ist klinisch erprobt.
• Wenn notwendig, kann sofort zur konventionellen Laparoskopie umgestiegen werden; ohne zusätzliches Risiko für den Patienten.

Grenzen der Machbarkeit

• krankhaftes Übergewicht
• ausgedehnte Verwachsungen im Operationsgebiet
• entzündliche Veränderungen
• ausgedehnte vorangegangene Operationen

„Die Grenzen der Technik liegen in der Schnittgröße und der Möglichkeit zur Bergung eines Resektates. In diesen Fällen werden Hybrideingriffe mit einem transvaginalen bzw. transrektalen Zugang in Zukunft von immer größerem Interesse werden,“ resümiert Dr. Christian Enserer. Lesen Sie mehr dazu im 3. Teil unserer Serie.

Österreichisches SIL-Register

„Österreich ist international gesehen ein Spitzenreiter im Bereich SIL-Eingriffe. Das österreichweite SIL-Register bietet mit über 5000 dokumentierten Eingriffen eine der weltweit umfangreichsten Datenzusammenstellung für die Methode der Single-Port-Chirurgie“, so Dr. Christian Enserer. „Die Datenerfassung erfolgt seit dem Jahr 2009 in Hinblick auf Eingriffsart, Umstiegsrate, Komplikationen, Reoperationsrate und auf die verwendeten technischen Systeme. Die Ergebnisse sind gut und die Komplikationsrate ist bei SILS vergleichbar mit anderen minimal-invasiven chirurgischen Eingriffen.

Weitere Artikel zu diesem Thema

1. Teil: minimal-invasive Chirurgie – ein historischer Rückblick und ein technischer Einblick

3. Teil: Zukunftstrend: NOTES und MILS (demnächst online)

Kontakt

Dr. Christian Enserer

Autorenschaft: Mag. Katharina Tentschert, Publizistin im Bereich Gesundheitskommunikation, in Abstimmung mit Dr. Christian Enserer, Facharzt für Chirurgie (Stand: September 2014)