Neue Hüfte, neues Leben

Eine neue OP-Methode verspricht raschere Heilung und neue Lebensqualität nach einer Hüftoperation. Der Name der Methode: AMIS.

„Ich hatte solche Schmerzen, dass ich am liebsten nur mehr auf der Couch gelegen wäre – und das in meinem Alter“, erinnert sich die heute 52-Jährige Nora Blach. An längere Spaziergänge oder gar Wanderungen war schon lange nicht mehr zu denken. Geschweige denn an Ski fahren. Die Diagnose war rasch gestellt: Coxarthrose. Das bedeutet Abnützung, Verschleiß, mechanische Schädigung bzw. Knorpelzerstörung des Hüftgelenkes.

Coxarthrose – was ist das?

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OA Dr. Alexander Zembsch (Foto: Gelenkzentrum Hietzing)

„Bei einer Coxarthrose sind meist der Kopf und die Pfanne des Gelenks betroffen“, erklärt OA Dr. Alexander Zembsch, Facharzt für Orthopädie und orthopädische Chirurgie, Spezialist für minimal invasive Gelenkchirurgie an Hüfte, Knie und Schulter, sowie ärztlicher Leiter des Gelenk-Zentrums Hietzing. „Die Erkrankung schreitet immer in wechselnden Schüben voran – Heilung gibt es leider keine. Schließlich kommt es zur schmerzhaften Einsteifung des Hüftgelenks, mit kompletter Unfähigkeit zu stehen und zu gehen, sehr häufig auch zu sitzen. In schlimmen Fällen bricht der Hüftkopf in das Becken ein und eine Notoperation muss durchgeführt werden. Auch die Wirbelsäule wird in der Folge oft geschädigt.“

Erste Anzeichen

Erste Anzeichen einer Coxarthrose sind Belastungsschmerzen an der Hüfte und in der Leiste. „Ein Ziehen seitlich und vorne am Oberschenkel ist dabei das erste Zeichen einer Schädigung des Hüftgelenkes und sollte durch einen Facharzt für Orthopädie mittels Röntgen, eventuell auch zusätzlich mittels MRT abgeklärt werden“, so Dr. Zembsch.

In der Regel spürt man bereits seit Jahren, dass irgendetwas mit dem Hüftgelenk oder der Hüfte nicht stimmt. Oft kommen die Beschwerden über Nacht und sind plötzlich wie aus dem Nichts so stark, dass man zum Arzt muss. Danach kommt es zu schubhaften leichten bis starken Schmerzen – das Zeichen einer bereits manifesten Knorpelschädigung.

Konservative Therapiemöglichkeiten

Bei einer beginnenden Coxarthrose werden mittels konservativer Therapiemaßnahmen die Schmerzen und die Bewegungseinschränkung gemildert oder sogar für eine gewisse Zeit aufgehoben.

In Frage kommen hier Heilgymnastik und Physiotherapie, das Vermeiden von besonderen Belastungen im Alltag und beim Sport sowie schmerzstillende und entzündungshemmende Medikamente. Diese Medikamente können oral eingenommen werden oder vom Orthopäden lokal injiziert werden. Auch alternative, ganzheitlich ansetzende, unkonventionelle Methoden können die Beschwerden lindern (Akupunktur, Ajurveda, Homöopathie, Tanztherapie, Kalifa, Nahrungsdiäten, Meditation, autogenes Training usw.).

Wieder schmerzfrei und mobil

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Hüfttotalendoprothesensystem der modernsten Bauart mit Keramikgleitpaarung (Foto: Gelenkzentrum Hietzing)

Eine Heilung gibt es bei der Coxarthrose leider nicht. „Die einzige Möglichkeit eine wirklich schmerzfreie und uneingeschränkte Mobilität, Berufs- und Sportausübung wieder zu erlangen, ist daher die operative Therapie, also die Operation eines künstlichen Hüftgelenks“, resümiert Dr. Zembsch.

Auch Frau Blach war irgendwann klar, dass es so nicht weiter gehen konnte. Die Schmerzen waren zu häufig und zu stark. Die Lebensqualität war erheblich gesunken. „Eine falsche Bewegung und der Schmerz hat so stark gestochen, dass mir die Tränen gekommen sind“, erinnert sich Nora Blach. Schließlich begann auch das Knie zu schmerzen; durch die einseitige Belastung und die Schonhaltung, die sie zwangsläufig eingenommen hatte.

Neue Operationsmethode

Doch die Angst vor einer Operation, vor den möglichen Komplikationen und vor einer langen Rehabilitation war groß. Bis zu jenem Zeitpunkt, als Frau Blach von einer neuartigen, schonenderen OP-Methode hörte – der Einsatz eines künstlichen Hüftgelenks mittels der AMIS-Methode. Ihr behandelnder Orthopäde, Dr. Zembsch, beschreibt die Methode so: „Die heutzutage sicherste und schonendste Methode einer Hüftgelenksoperation ist die sogenannte AMIS-Methode, eine Technik, bei der das neue Hüftgelenk von vorne – und nicht von der Seite – eingesetzt und damit kein Muskelgewebe und keine Nerven beschädigt werden. Das Resultat ist eine schnellere Wundheilung, weniger Schmerzen, kein Hinken durch verletzte Muskeln und damit eine raschere und sichere Rehabilitation.“

Raschere Rehabilitation

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Nora Blach bei ihrem ersten Skiurlaub nach der OP. (Foto: Nora Blach)

„Daher ist die Rehabilitation bei der AMIS-Methode in allen Bereichen um die Hälfte verkürzt. Das betrifft den gesamten Reha-Prozess. Wichtig ist auch, dass nach der Operation nach der AMIS-Methode die Kraft und die Ausdauer und somit die Sicherheit höher und besser sein können. Insgesamt ist das Risiko einer Hüftoperation mit der AMIS-Technik deutlich geringer, als mit den herkömmlichen Methoden, wenn ein erfahrener Hüftchirurg den Eingriff durchführt“, beschreibt der Orthopädie die Vorteile der AMIS-Hüfte.

Und so war es nur ein Jahr nach der OP möglich, dass Nora Blach ihren lang ersehnten Urlaub in vollen Zügen genießen konnte: Es war der Skiurlaub – der erste nach mehr als 5 Jahren.

Weiterführende Informationen

Autorenschaft: MMag. Angela Jaksch, freischaffende Publizistin, in Abstimmung mit OA Dr. Alexander Zembsch, Facharzt für Orthopädie und orthopädische Chirurgie, Spezialist für minimal invasive Gelenkchirurgie an Hüfte, Knie und Schulter, sowie ärztlicher Leiter des Gelenk-Zentrums Hietzing (Stand: Jänner 2014)