Hilfe bei Burn out & Co.

Eine neue Therapieform verspricht rasche Behandlungserfolge bei psychischen Überlastungsstörungen: die medizinisch orientierten tiergestützte Therapie (mTGT). In den meisten Fällen sind 12 Therapieeinheiten ausreichend.

Ein Gastartikel von Dr. Wolfgang A. Schuhmayer

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(Foto: mtgt, aiaatr)

Psychische Überlastungsstörungen steigen an. Studien zeichnen ein düsteres Bild: Nur 30% der Betroffenen suchen professionelle Hilfe, 70% bleiben unversorgt, geplagt von Angsterkrankungen, Depression Burnout & Co. Hilfe erfolgt meist nur in der Abgabe von Medikamenten. Das scheint billiger zu sein, der Krankenversicherer zahlt. Nebenwirkungen und Leidensverlängerung inklusive, denn die unbedingt erforderliche nicht-pharmakologische Therapieachse wird ausgeschlossen.

Das Ergebnis: 3,3 Mrd. Mehrkosten für die Österreichische Wirtschaft und die Nr. 1-Position für psychische Überlastungsstörungen bei den Frühpensionen. Eine neue Therapieform – die medizinisch orientierte tiergestützte Therapie (mTGT) – verweist nun auf rasche Behandlungserfolge. Entwickelt wurde die Methode am „Österreichischen Institut für tiergestützte Therapie & Forschung“ (AIAATR) nördlich von Krems.

Der Mensch im Mittelpunkt

Beate (53) konnte die Wohnung nicht mehr verlassen. Eine Mischung aus Angst und Depression machte es unmöglich, auch nur den Postkasten zu leeren. Den Tag verbrachte sie im Pyjama. Endstation Totalisolation. Tabletten wikten nur gegen die Akutsymptomatik, Gesprächstherapie gar nicht. Sie hatte keine Freude am Leben mehr. Nach nur 3 Monaten mTGT war sie befreit, startete neu durch und erfüllte sich in der Steiermark den Kindheitstraum von eigenen Tieren. „Die Arbeit mit den Tieren hat mir den Weg gewiesen!“, so Beate.

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Dr. Wolfgang A. Schuhmayer (Bild: aiaatr)

Neue Therapieoption

Das ist eine von vielen Erfolgsgeschichten. Dahinter steht ein neues Konzept, das am AIAATR (Austrian Institute for Animal Assisted Therapy & Research) entwickelt wurde – die „medizinisch orientierte tiergestützte Therapie“ (mTGT).

Trotz der Namensähnlichkeit hat das mit dem, was allgemein unter tiergestützter Therapie kolportiert wird, nichts zu tun. mTGT muss unter ärztlicher Leitung stattfinden. Sie verbindet zur lösungsorientierten Verarbeitung der persönlichen Situation Elemente der tiergestützten Arbeit mit Elementen des Coaching. Die Verlaufskontrolle bedient sich qualitätsmedizinischer Standards wie sie in internationalen Studien eingesetzt werden.

Sich Zeit nehmen

Die Grundlage ist ein Erfassungsgespräch. Darauf aufbauend werden mit den Tieren als soziale und verhaltenstherapeutische “Partner” Situationen bearbeitet, die die jeweilige Kernproblematik betreffen. In individuellen Übungen, die gegebenenfalls auch für den jeweiligen Betroffenen individuell entwickelt wurden.

Medikamente werde nur empfohlen, wenn unbedingt nötig. Eine mitgebrachte Medikation wird keinesfalls abgebrochen, sondern gegebenfalls in Zusammenarbeit mit dem Kollegen, der das Medikament verordnet hat, reduziert.

Rasche Behandlungserfolge

Die raschen Behandlungserfolge haben zunächst beinahe “schockiert”. Heute gehen wir davon aus, dass es die direkte, aktive Bearbeitung der persönlichen Problemfelder ist, die das bewirkt. Es geht nicht um theoretische Lösungsmodelle, sondern um gelebten und erlebten Erfolg.

Die Umsetzungshürde in den Alltag ist damit weit geringer als bei anderen Verfahren, damit ist die Behandlung effizienter und kürzer. Wobei die laufende wissenschaftliche Darstellung der Erfolge in Publikationen ein Kernanliegen darstellt.

Zurück ins Leben – Hilfe für sozial schwache Patienten

Auch die soziale Abstufung ist dem Institut wichtig. Besonders bedürftigen Patienten stehen immer wieder stark vergünstigte Therapieplätze zur Verfügung, dank Sponsoren aus der heimischen Wirtschaft.

Weiterführende Informationen

Dr. Wolfgang A. Schuhmayer ist Mediziner, Institutsleiter und Methodenbegründer (Stand: November 2014)