Gesundheit erlebbar machen

Der Wind in einem Kornfeld sein und in die Fülle der Natur eintauchen: Das Konzept der begehbaren Ernährungspyramide lässt den Besucher zu einem Teil des ganzjährigen Naturgeschehens werden und eröffnet so eine neue, interaktive Betrachtungsweise des Themas gesunde Ernährung. Mit dem Potential das individuelle Ernährungsverhalten positiv zu beeinflussen.

Ein Gastartikel von Julia Dorninger

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(Foto: Visualisierung 4concepts, Jam Jam)

Im Rahmen des zweistufigen Wettbewerbs für den Österreich-Beitrag auf der Expo 2015 in Mailand entstand ein Projekt, das das Leitthema der Expo Feeding the Planet, Energy for life als begehbare Ernährungspyramide umgesetzt hat.

Ein multisensualer Erlebnispfad

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Im Getreidebereich wird der Besucher zum Medium Wind. (Foto: Visualisierung 4concepts, Jam Jam)

Im Ausstellungsrundgang wird Gesundheit über künstlerische interaktive Installationen erlebbar und begreifbar gemacht: Der Weg durch die einzelnen Bereiche der Ernährungspyramide Wasser, Getreide, Obst/Gemüse, Milch und Milchprodukte, Fleisch/Fisch/Eier, Fette und Öle, Süßes ist ein multisensualer Erlebnispfad, der für jeden Besucher mit seiner individuellen Wahrnehmungsgeschwindigkeit die Möglichkeit bietet, Überraschendes, Neues, Lehrreiches, Sinnliches aber auch Vertrautes zu dem Thema Ernährung zu entdecken.

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Im Obstbereich beeinflusst der Besucher das Heranreifen überdimensionaler Früchte. (Foto: Visualisierung 4concepts, Jam Jam)

Betritt der Besucher beispielsweise im Getreidebereich eines der Kornfelder, wird er selbst zum Medium Wind und kann die einzelnen elastischen Halme der Felder bewegen. Im Obstbereich reifen aus einem Blätterdach hängende pneumatischen Früchte zu voller Größe heran, um dann wieder in sich zusammenzufallen. Der Besucher wird Teil dieses Paradiesgartens und erlebt die Veränderungen der Natur im Laufe der Jahreszeiten.

 

 

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Mit allen 5 Sinne durch Almen Landschaften reisen im Milchbereich. (Foto: Visualisierung 4concepts, Jam Jam)

Das Projekt entstand in Zusammenarbeit mit dem Architekturbüro Weinhäupl sowie 4concepts, Visual Communications and Media Productions und hat in der 2. Stufe des Wettbewerbs für den Österreich-Beitrag auf der Expo 2015 den 4. Platz erreicht.

Kunst ist Medizin, Medizin ist Kunst

Seit jeher bergen die Wechselwirkungen zwischen Kunst und Medizin das Potenzial zu einer Erweiterung kritischer Erkenntnisse beider Disziplinen und einer gegenseitigen Befruchtung.

Die Faszination an der Visualisierung des Realen und der Offenlegung medizinischer Vorgänge in der Kunst reicht kulturhistorisch bis in die Antike zurück. Auch das Interesse an der(Selbst-)Darstellung des „Krank-Seins“ in der Kunst zieht sich durch die Jahrhunderte.

Aber inwieweit können in zeitgenössischen künstlerischen Arbeiten visuelle Erkenntnistheorien oder medizinische Akte in Prozesse und Aktionen integriert werden; und welche Rolle können sie dabei übernehmen?

Die Herangehensweise der Künstlerin

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Julia Dorninger (Foto: Monika Dorninger)

Als Künstlerin beschäftige ich mich vor allem mit den Prozessen und Ergebnissen der Informationsgewinnung und –verarbeitung. Wir leben in einer „Geschwindigkeitsgesellschaft“, was die Gefahr beinhaltet, Erlebtes, Gesehenes, Konsumiertes nicht mehr weiter verarbeiten zu können. Über meine Arbeiten versuche ich, die emotionale Wahrnehmung wieder zu sensibilisieren, Reflexionsangebote und -möglichkeiten zu bieten, die die Distanz zwischen vorgegebener Information und eigenem Erleben wieder verringern.

Um gewohnte Wahrnehmungsmuster zu durchbrechen, beinhalten meine künstlerischen Arbeiten nicht nur ästhetische, sondern auch soziale, kommunikative und funktionale Aspekte. Sie bewegen sich zwischen Architektur, Design und Kunst, thematisieren neben einer Objekt-Ästhetik vor allem Nützlichkeit, indem sie immer in einem bestimmten funktionalen wie auch räumlichen Zusammenhang stehen. Über diese Kontext- und Funktionsorientierung können Kommunikationsprozesse verbessert werden, wie das Beispiel zum Konzept der begehbaren Ernährungspyramide im Bereich der Gesundheitskommunikation verdeutlicht hat.

Julia Dorninger, Diplomingenieurin der Architektur und Künstlerin, lebt und arbeitet in Wien. (Stand: Juni 2014)