„sanfte“ Darmspiegelung

Darmkrebs gehört zu den wenigen Krebserkrankungen, deren Entstehung man vermeiden kann. Bei einer rechtzeitig durchgeführten Darmspiegelung können so genannte Polypen erkannt und entfernt werden – bevor sie bösartig werden, informiert Priv. Doz. Dr. Brigitte Kovanyi-Holzer, Fachärztin für Chirurgie und Leiterin des Zentrum für Chirurgie & Endoskopie Favoriten in 1100 Wien.

Zentrum für Chirurgie & Endoskopie Favoriten, Priv. Doz. Dr. Brigitte Kovanyi-Holzer (Foto: Eduardo Salas Torrero)

Ein übervoller Terminkalender, Freizeitstress und kaum Zeit für eine gesunde Lebensweise: Wie soll man da einen Termin für eine Vorsorgeuntersuchung wahrnehmen? Außerdem hat man ja keine Schmerzen und treffen tut es sowieso nur die anderen. Mit dieser Einstellung geht man möglicherweise ein hohes – und im Hinblick auf Darmkrebs unnötiges – Gesundheitsrisiko ein. Darmkrebs (d. h. bösartige Neubildungen des Dick- und Enddarms) ist mit 13% die dritthäufigste Krebserkrankung bei Männern und mit 11% die zweithäufigste Krebserkrankung bei Frauen. Alleine im Jahr 2011 gab es 4.348 Neuerkrankungen (laut Statistik Austria). Und das Paradoxe daran: Darmkrebs gehört zu den wenigen Krebserkrankungen, die man vermeiden kann, indem man eine Vorsorgeuntersuchung in Anspruch nimmt.

Gutartige Darmpolypen

Die Vorstufe von Darmkrebs ist bei den meisten Menschen ein Darmpolyp, das Adenom. Dieses entsteht durch überschießende Zellteilung in der Darmschleimhaut. Die Entstehung wird einerseits durch eine familiäre Veranlagung begünstigt, andererseits kann durch Giftstoffe in der Nahrung die genetische Zellinformation gestört werden. Die Folge: eine krankhafte Zellvermehrung – der (gutartige) Polyp.

„Dickdarmkrebs unterscheidet sich von allen anderen Krebserkrankungen in einem ganz wesentlichen Punkt: In mehr als 90 % aller Fälle sind vor der Entstehung des Karzinoms viele Jahre hindurch Vorstufen der Erkrankung in Form von zunächst gutartigen Darmpolypen nachweisbar“, so die Chirurgin. „Die konsequente Aufspürung und Entfernung dieser Polypen könnten einen Großteil der Erkrankungen verhindern. Wird ein Darmpolyp im Rahmen einer Darmspiegelung (Koloskopie) entdeckt, kann er in den meisten Fällen sofort abgetragen werden.“

Entstehung einer bösartigen Geschwulst

„Wird ein Polyp nicht entfernt, können die Zellen in den Polypen unkontrolliert zu wachsen beginnen (bzw. körpereigene Reparaturmechanismen können diese Störung nicht mehr beheben) und eine bösartige Geschwulst entsteht: der sogenannte Darmkrebs. Sind die entarteten Zellen allerdings noch nicht in die Tiefe der Schleimhaut eingewachsen, ist der Patient durch die Polyp-Abtragung geheilt und muss nicht mehr operiert, sondern nur noch konsequent kontrolliert werden“, so die Chirurgin weiter.

Vorsorge ab dem 40. Lebensjahr

Aus diesem Grund kommt der Darmkrebsvorsorge ein besonders hoher Stellenwert zu: „Die Früherkennungsuntersuchungen schützen dabei nicht nur vor dem Ausbruch der Krankheit, sondern spielen eine entscheidende Rolle im Kampf gegen die Entstehung von Darmkrebs“, betont Priv. Doz. Dr. Brigitte Kovanyi-Holzer. Um das 40. Lebensjahr sollte ein erstes Gespräch mit einem Arzt stattfinden. Dabei soll eine eventuell vorhandene Risikosituation erhoben und Fragen geklärt werden wie: Gibt es Verwandte ersten Grades mit Dickdarmkrebs? Gibt es Erkrankungen wie z. B. Colitis ulcerosa?

„Alleine die Untersuchung auf okkultes (d. h. verborgenes) Blut im Stuhl, das von Polypen, aber auch von bösartigen Tumoren stammen kann, kann bei regelmäßiger Durchführung die Darmkrebs-Sterblichkeit bis zu einem Drittel senken“, informiert die Chirurgin. „Ich rate ab dem 40. Lebensjahr einmal jährlich zum Okkulttest.“

„sanfte“ Koloskopie

Die Koloskopie gilt als „Goldstandard“ in der Darmkrebsfrüherkennung. Bei einer Koloskopie, die rektal mit einem speziellen Endoskop durchgeführt wird, lässt sich die Darmschleimhaut sehr gut beurteilen. Während dieser Untersuchung ist auch gleich die Entnahme von verdächtigem Gewebe oder Polypen möglich; jene werden anschließend unter dem Mikroskop beurteilt.
Ist das Ergebnis negativ (d. h. liegt keine Krebserkrankung vor) und liegt beim Patienten kein erhöhtes Risiko vor (z. B. Dickdarmkrebs bei Verwandten ersten Grades), kann die nächste Untersuchung erst wieder in sieben Jahren stattfinden.
Heute ist eine Koloskopie mit den entsprechenden Medikamenten, die vor der Untersuchung verabreicht werden, weder belastend noch schmerzhaft. Man spricht von der so genannten „sanften“ Koloskopie. „Männer und Frauen sollten ab dem 50. Lebensjahr alle sieben bis zehn Jahre eine Darmspiegelung durchführen lassen“, rät Priv. Doz. Dr. Brigitte Kovanyi-Holzer.

Kontakt

Zentrum für Chirurgie & Endoskopie Favoriten, Priv. Doz. Dr. Brigitte Kovanyi-Holzer

Autorenschaft: Mag. Katharina Tentschert, Publizistin im Bereich Gesundheitskommunikation, in Abstimmung mit Priv. Doz. Dr. Brigitte Kovanyi-Holzer, Fachärztin für Chirurgie (Stand: Mai 2014-April 2016)