Akupunktur

Es ist in aller Munde. Doch was steckt eigentlich hinter Akupunktur? Was genau wird bei einer Akupunktur gemacht? Und wann kann man diese Behandlungsmethode aus der Chinesischen Medizin anwenden?

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Dr. Veit Macke (Foto: Michael Michlmayer)

Antworten auf diese Fragen gibt Dr. Veit Macke, Arzt für Allgemeinmedizin, mit Zusatzdiplomen für Akupunktur, Notarzt, Psychosoziale und Psychosomatische Medizin sowie Manuelle Medizin.

Was  versteht man  unter Akupunktur und wie wirkt sie?

Akupunktur zählt nebst Phytotherapie, Diätetik, QiGong und Tuina zu den wichtigsten Methoden der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM). An definierten Punkten am Körper werden Akupunktur-Nadeln eingestochen und je nach Indikation stimuliert. Die Mehrzahl der Punkte befindet sich auf den sog. Meridianen, das sind gedachte Leitbahnen, die den Körper durchziehen und in denen sich unterschiedliche Energiequalitäten (Qi) bewegen. Durch Akupunktur können diese Energien beeinflusst werden und damit auch Organe und Körperregionen, die mit ihnen in Verbindung stehen. Mit der Zeit sind in diese seit Jahrtausenden praktizierte Methode schließlich energetische und taoistische Überlegungen eingeflossen.

Bei welchen Beschwerden kann Akupunktur angewendet werden?

Akupunktur wird traditionell bei sehr vielen Erkrankungen und Funktionsstörungen erfolgreich angewendet und in der modernen Medizin zunehmend als sinnvolle Ergänzung oder Alternative erkannt. Besonders bewährte Indikationen sind:

  • Schmerzen (Kopfschmerz, Rücken- und Gelenkschmerzen, Regelschmerzen, Neuralgien),
  • Probleme im Verdauungstrakt
  • Infektanfälligkeit
  • Allergien
  • Schlafstörungen
  • vegetative Beschwerden
  • Erschöpfungssyndrome
  • Zyklusstörungen
  • Wechselbeschwerden
  • Tinnitus
  • Schwindel
  • sexuelle Störungen

Mit dem gezielten Setzen von Akupunkturnadeln werden über die Meridiane bestimmte Organkreise im Körper beeinflusst. (Foto: Michael Michlmayr)

Speziellere Anwendungsgebiete sind z. B. Kinderwunsch und Geburtsvorbereitung. Die Kombination von Akupunktur mit Schröpftherapie, TCM-Arzneimitteln sowie Methoden der Manuellen Medizin und Physiotherapie erweist sich oft als besonders wirkungsvoll. Eine in der TCM in hohem Maße verwirklichte Idee von Ganzheitlichkeit ermöglicht auch einen Zugang zu individueller Prophylaxe von Krankheiten. Durch die Behandlung von Funktionsstörungen kann die Entstehung von Organschäden verhindert oder hintangehalten werden.

Wirkt Akupunktur bei jedem Menschen?
Das Ansprechen auf Akupunktur ist individuell sehr unterschiedlich; das kann der erfahrene Therapeut aber meist schon in der ersten Behandlung feststellen. Es gibt einerseits eine Vielzahl an Indikationen, andererseits unterschiedlichste Techniken und Herangehensweisen. Daher bedeutet ein schon erlebter Misserfolg noch kein generelles Nicht-Ansprechen auf Akupunktur. Unter Rücksichtnahme auf Empfindlichkeiten, Ängste und vorliegende Krankheiten (z. B. hohe Krampfneigung bei bestimmten neurologischen Problemen) kann jeder Mensch mit Akupunktur behandelt werden. Kinder und sehr empfindliche Personen akupunktiere ich eher selten, oft ist dann das Ansprechen auf Akupressur oder Laser-Akupunktur für eine Wirkung ausreichend.

Wann sollte man Akupunktur nicht anwenden?
Ich schreibe der Akupunktur keine besondere Wirkung zu – z. B. in der Therapie von bösartigen Erkrankungen; gleichzeitig kann sie aber helfen, die Lebensqualität durch die Linderung von Schmerzen, Schlafstörungen, vegetativen Problemen etc. zu verbessern. Es gibt viele Situationen, in denen Akupunktur – zumindest von Vornherein – nicht indiziert ist; ich denke da an Stoffwechselstörungen (Diabetes, Hyperthyreose), schwere psychiatrische Erkrankungen oder viele vorrangig chirurgische Probleme.

Wie finde ich den richtigen Arzt oder Therapeuten?
Mehrere Ausbildungsgesellschaften führen ihre eigenen Listen; persönliche Empfehlungen durch Fachkollegen oder Betroffene im Bekanntenkreis erscheinen mir aber nach wie vor am wertvollsten.

Weiterführende Informationen

Autorenschaft: MMag. Angela Jaksch, freischaffende Publizistin, in Abstimmung mit Dr. Veith Macke, Arzt für Allgemeinmedizin, mit Zusatzdiplomen für Akupunktur, Notarzt, Psychosoziale und Psychosomatische Medizin sowie Manuelle Medizin (Stand: Jänner 2014)