Tanze, solange du kannst

Doch was tun, wenn eine Verletzung oder ein Unfall die Karriere eines Tänzers schlagartig beendet? Adrian Cunescu erzählt von seinem Aus als Profi-Tänzer am Wiener Staatsballett und wie er einen neuen Lebensweg für sich gefunden hat.

Adrian Cunescu (Foto: Isabell Schatz)

„Auch wenn es wie ein Klischee klingt: Tanzen ist bzw. war mein Leben und das Einzige, was ich je gemacht habe“, so Adrian Cunescu, der wegen einer Knie-Verletzung seinen Beruf als Tänzer beim Wiener Staatsballett aufgeben musste. „Dein ganzes Leben als Tänzer richtet sich nach deinem Beruf. Es ist ein 24/7-Job, der immer an erster Stelle steht. Man plant seinen Tag danach, welche Vorstellungen man hat. Man achtet das ganze Jahr darauf in Form zu bleiben und eine Verletzung wiegt doppelt schwer. Dazu kommt, dass man auf der Bühne auch viel von sich selbst geben muss. Da kann es dann schon einmal vorkommen, dass man sich nach einer Vorstellung leer fühlt“, berichtet Adrian Cunescu über das Leben abseits des Scheinwerferlichts.

Als Zuschauer sieht man die Perfektion auf der Bühne, das Lächeln der Tänzer; wie viel harte Arbeit dahinter steckt, sieht man nicht. Und das ist gut so, denn was wäre die Illusion des Theaters sonst wert? Tänzer verstehen, es meisterlich die körperlichen Grenzen bis aufs Letzte auszureizen und das scheinbar mühelos; mit einem Lächeln auf dem Gesicht. Doch Tanzen ist körperliche Schwerstarbeit; mit einem Verletzungsrisiko, das schnell auch das berufliche Aus bedeuten kann, wie Adrian Cunescu am eigenen Leib erleben musste.

Ein Zwerg in Schneewittchen

„Ich habe mit neun Jahren zu tanzen begonnen. Meine Oma hat zu meiner Mutter gesagt, dass sie mich in die Ballettschule bringen soll, weil ich nie gegangen, sondern immer herumgetanzt bin“, berichtet Adrian Cunescu von seinen Anfängen. „Mit zehn Jahren habe ich die Aufnahmeprüfung für die Ballettschule in Bucharest geschafft und jene bis zu meinem 18. Lebensjahr besucht.“

Adrian Cunescu (Foto: Isabell Schatz)

Die ersten Bühnenerfahrungen hat Adrian Cunescu bereits im Alter von 10 Jahren gemacht – als Zwerg in Schneewittchen in der rumänischen Staatsoper. Dort hat er dann auch sein erstes Engagement erhalten. Nach zwei Jahren folgte ein Stipendium in der renommierten Elmhurst Birmingham Royal Ballet School in England sowie Engagements beim English National Ballet, Schottish Ballet, Ballett Classico de Madrid, Wiener Staatsballett; begleitet von Auftritten in der Royal Albert Hall und Tourneen nach Frankreich, Japan, Irland, Spanien und Monte Carlo.

Und dann kam der Unfall

„In den 24 Jahren meiner Karriere hatte ich immer wieder größere und kleinere Verletzungen. Als ich im Jahr 2005 als Halbsolist bei Schottish Ballet getanzt habe, hatte ich während einer Vorstellung plötzlich Schmerzen und konnte mein rechtes Bein nicht mehr strecken“, erzählt Adrian Cunescu. „Trotzdem habe ich die Vorstellung zu Ende getanzt. Am nächsten Tag bin ich zum Arzt gegangen und es wurde ein Röntgen gemacht. Dabei hat der Arzt festgestellt, dass die Kniescheibe herausgesprungen und durch die Bewegung wieder von selbst zurückgesprungen ist.“

Seit diesem Zeitpunkt ist die Kniescheibe regelmäßig herausgesprungen, nicht mehr „nur“ beim Tanzen, sondern zuletzt auch bei ganz alltäglichen Bewegungen wie dem Stiegensteigen. Die Diagnose der Ärzte im Jahr 2013: Patella Luxation mit einem Knorpelschaden Grad 4. Die Bänder, die die Kniescheibe fixieren sollten, waren gerissen bzw. nicht mehr vorhanden, sodass im September 2013 das Knie operiert werden musste.

Neuer Mut, in einer neuen Aufgabe

Adrian Cunescu (Foto: Bright Light Photography)

Trotz langandauernder Reha und Physiotherapie nach der Operation kann Adrian Cunescu sein Knie heute nicht mehr so belasten wie früher. „Dazu kommt, dass der Beruf des Tänzers einer ist, den man nicht ewig ausüben kann. Mit 33 gehöre ich schon zu den ‚Senioren‘ in der Kompanie. Den Entschluss, etwas Neues zu machen, habe ich aber schon vor der Operation getroffen und Ende 2012 mit einer umfangreichen Ausbildung zum Fitnesstrainer begonnen“, berichtet Adrian Cunescu. „Ich wollte etwas mit Menschen im Gesundheits- und Sportbereich machen. Die Ausbildung an der BSA Akademie ist eine gute Basis, da sie u. a. auch Module zum Gesundheits-, Ernährungs- und Reha-Trainer beinhaltet. Im Feber 2014 habe ich die Ausbildung abgeschlossen und meine Fitnesstrainer A-Lizenz erhalten.“

„Ein Ersatz für das Tanzen ist es nicht. Dafür gibt es keinen Ersatz“, resümiert Adrian Cunescu. „Aber es ist etwas Neues, das mir viel Spaß macht. Ich bin froh, eine Karriere als Tänzer gehabt zu haben und möchte die Zeit trotz vieler Schmerzen und Entbehrungen nicht missen. Aber jetzt ist es Zeit für etwas Neues!“

Leistungen im Überblick

Adrian Cunescu arbeitet als Personaltrainer und bietet an:
• Fitnesstraining
• Gesundheitstraining
• Reha-Training
• Cardio-Training
• Ernährungstraining

Kontakt

Adrian Cunescu

Autorenschaft: Mag. Katharina Tentschert, Publizistin im Bereich Gesundheitskommunikation, in Abstimmung mit Adrian Cunescu, Tänzer und Personaltrainer (Stand: Mai 2014)