Motivations-Kick

Was motiviert Marathonläufer? Sind Sportler erfolgreicher im Erreichen von Zielen? Was wir von Ausdauersportlern lernen können, um unsere Ziele auch im Alltag zu erreichen, erklärt Sport- und Kommunikationswissenschaftler sowie Trainer, Oliver Drachta.

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(Foto: Thinkstock, tzf, iStock)

Motivation beim Ausdauersport, Motivation zur Erreichung von Lebenszielen: Gibt es da Parallelen, die man im Alltag nutzen kann?

Ich denke, dass die Parallelen nicht von der Hand zu weisen sind. Ich denke auch, dass man durch die Ausübung von Sport, im Speziellen von Ausdauersport, für sein restliches Leben sehr viel profitieren kann. Nicht nur die physiologische Veränderung des Körpers, die zu einem gesteigerten Wohlbefinden und zur erhöhten Widerstandsfähigkeit und Regenerationsfähigkeit führt. Es verändert sich auch sehr oft der Blickwinkel im Leben.

Nicht selten kommt es vor, dass Ausdauersportler auch im normalen Leben geduldiger sind oder ihre Arbeitsaufgaben mit längeren Aufmerksamkeitsphasen schneller erledigen können. Die größte Parallele sehe ich jedoch in der Tatsache des „nicht aufgeben Wollens“. Egal ob es Ziele den Sport betreffend sind oder Lebensziele rund um den Alltag: Menschen, die wissen, wie es sich anfühlt, wenn der Gegenwind stärker wird, wissen jedoch auch genau, wie sie diesem ausweichen können, um durchs Ziel zu laufen.

Warum scheitern Menschen an ihren Neujahrsvorsätzen? Fehlt es an der Motivation?

Ich denke an der Motivation generell fehlt es nicht, speziell in der ersten Zeit. Jedoch wenn es darum geht, aktiv zu bleiben, sind wir absolute „Ausredenkaiser“. Einmal passt das Wetter nicht ganz, dann muss man länger arbeiten, man muss noch ganz dringend etwas Wichtiges erledigen oder man ist von der Arbeit so geschlaucht, dass nur noch der Ruf der Couch zu hören ist. Wenn wir es nicht schaffen den Zielen absolute Priorität zu geben, dann ist immer wieder etwas Anderes wichtiger in dem Moment.

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Oliver Drachta (Foto: volkerweihbold.at)

Wie definieren Sie Motivation und Durchsetzungs- bzw. Durchhaltevermögen?

Als Motivation sehe ich die innerliche Triebkraft etwas zu bewältigen, umzusetzen, etwas zu erreichen. Diese kann emotional, extrinsisch oder intrinsisch ausgelegt sein.
Durchhaltevermögen beschreibt für mich das konsequente Weiterführen von motivierten Handlungen zur Erreichung seiner Ziele. Egal wie lange es dauert, egal wie viele Zwischenziele es gibt, egal wie viele Rückschritte man machen muss, entscheidend ist die kontinuierliche Arbeit nach vorne gerichtet.

Durchsetzungsvermögen ist für mich die Fähigkeit gegen schwierige Situationen und externe/interne Rückschläge weiter mit Teilerfolgen sein Ziel/seine Ziele zu erreichen.

Wie wichtig ist Motivation beim Ausdauertraining?

Training und Motivation sind zwei ganz wichtige Parameter, die immer einhergehen sollten. Die menschliche Psyche ist sicherlich ein bestimmender, limitierender Faktor, den wir auf keinen Fall außer Acht lassen dürfen.

Es gibt grundsätzlich keine Unterscheidung zwischen Motivation zum Ausdauertraining oder Krafttraining. Ich würde die Motivation als Kraftstoff zur Leistungserbringung bezeichnen. So wie ein Auto nicht ohne Benzin fahren kann (außer Hybrid), ähnlich verhält es sich beim Training.

Für mich persönlich ist der Spaßfaktor wichtig. Ich versuche meinen Klienten immer Spaß an der Bewegung, am Training zu vermitteln. Denn wenn man etwas gerne macht, wenn man Spaß hat, ist es viel leichter, solche Anstrengungen auf sich zu nehmen.

Wie bereite ich mich auf so ein großes Ziel wie einen Marathon vor?

Für den Marathon ist natürlich einerseits das Ziel andererseits der Wettkampf schon Motivation genug. Natürlich wird es Momente in der Trainingsvorbereitung geben, wo die Motivation ein wenig nachlässt, wo man mit Rückschlägen zu kämpfen hat (Verletzungen, Krankheit oder dergleichen). Wichtig ist es jedoch, aus diesen Tiefschlägen gestärkt wieder in das Training zurück zu finden, positiv denken und weiter an seinem Ziel zu arbeiten.

Speziell für den Marathon bereitet man sich sehr unterschiedlich vor. Einerseits mit entsprechendem physischem Training, mit Kleinigkeiten wie Vorbereitung am Wettkampftag oder Verhalten an Labstellen, mit Probewettkämpfen, aber auch mit vergleichbaren Belastungsstrukturen. Zur guten Vorbereitung empfiehlt sich auch immer wieder eine Art von autogenem Training. Die Absolvierung von einem Marathon ist für viele von uns eine Extrembelastung, die jederzeit zu unvorhergesehenen Ereignissen führen kann. Physisch kann alles passieren, von der kleinen Verletzung im Wettkampf bis zu Magenproblemen, Krämpfen, widrigen äußerlichen Einflüssen (Wetter) oder je nach Tagesform, wenn man sein gestecktes Ziel klar verpassen wird.

Kann die Vorbereitung auf einen Marathon ein Sinnbild für das generelle Erreichen von Zielen im Leben sein?

Na klar! Marathonläufer haben ein klares Ziel vor Augen – einerseits nach einer Extrembelastung das Ziel 42,195 km zu erreichen und zusätzlich vielleicht dieses Ziel in einer vorgegebenen Zeit zu bewältigen! Und wenn etwas nicht klappen sollte, aus welchen Gründen auch immer, dann wird ein neuer Versuch gestartet!

Genau das ist es, was man gut in sein „normales“ Leben integrieren kann. Lassen sie sich nicht von ihrem Weg abbringen, holen sie sich Ratschläge von allen Seiten rund um sich, und integrieren sie genau die, die am besten zu ihnen passen. Lassen sie sich nicht von Rückschlägen unterkriegen, entwickeln sie für sich eine konsequente Kontinuität, wie sie ihre Ziele erreichen wollen. Geben sie nicht auf – entwickeln sie Freude und Spaß bei dem was sie machen!

Ich denke jedoch, dass man nicht nur von Marathonläufern lernen kann, wie man die Schritte zum Erreichen seiner Ziele am besten umsetzt. Jeder, der Bewegung und Sport in sein Leben integrieren kann, die Motivation und den Ehrgeiz für sportlich-körperliche Ziele in den Alltag und Arbeitsalltag mitnimmt, ist ein Gewinner und wird sein Leben und seine Mobilität positiv verändern.

Strategien gibt es wie zu jedem Thema sehr viele, jedoch nicht jede Strategie passt auf einen. Ich denke man sollte in dieser Beziehung offen für vieles sein! Nur ein offener Geist ist kreativ! Viele Wege, viele Gedanken anhören und ganz viel auf deine Persönlichkeit achten. Fühlen sich Verhaltensweisen gut an, dann versuchen diese in den Alltag zu integrieren und für sich zu personalisieren und auszubauen. Die Änderung von Verhalten oder Verhaltensweisen stellt ebenso einen Prozess dar, wie das Erreichen von Zielen.

Was raten Sie Menschen, die sich Ziel setzen? Wie kann man diese Ziele erreichen?

Ich rate meinen Klientinnen und Klienten immer, in Teilschritten zu denken und Ziele immer realistisch zu definieren. Ich sehe das Erreichen von Zielen immer als Prozess, der nicht linear geplant werden kann. Sowohl im Spitzensport, als auch im Amateursport gibt es Parameter, die unvorhergesehen eintreten können und somit den Prozess der Zielerreichung verlängern, was jedoch kein Problem darstellt.

Am besten lassen sich Ziele erreichen, die genau definiert sind, und auch die Schritte dahin sehr klar strukturiert aufgestellt werden. Jedoch sollte man sich immer einen kleinen Spielraum, so eine Art Polster einplanen, den man sich dann nehmen kann, wenn unvorhergesehene Dinge eintreten sollten.

Motivieren sie sich mit dem Erreichen von Teilzielen: Ist wieder eine Stufe auf der Erfolgsleiter geschafft, vielleicht noch früher als gedacht oder geplant, dann gibt das zusätzlichen Antrieb für das große Ziel. Versuchen sie vielleicht auch ihr Umfeld in die Erreichung ihrer Ziele mit einzubinden. Sollte der Tag kommen, wo die Motivation im Keller ist, dass ihre Freunde sie auffangen und mit ihnen trainieren, oder nur einen kurzen Motivationsschub geben.

Sind Neujahrsvorsätze gut bzw. ratsam? Hatten Sie einen Neujahrsvorsatz heuer?

Vorsätze und Ziele setzen ist immer gut und ratsam! Man sollte diese jedoch nicht nur auf das neue Jahr beschränken. Denn nur mit „im neuen Jahr wird alles anders“ wird es nicht klappen. Vernünftiger ist es, Ziele zu definieren, und wenn möglich die Schritte zum Erreichen dieser Ziele genau abzustecken.

Ich persönlich hatte keinen Vorsatz für das neue Jahr. Dinge ändern sich zu schnell! Ich habe meine Ziele kurzfristig gesteckt und versuche auf diverse Veränderungen, die das Leben, der Alltag so mit sich bringt, schnell reagieren zu können, um meine Vorhaben zu erreichen.

Advertorial von Oliver Drachta (Stand: März 2015)