Scheidenpilz

Juckreiz, Schmerzen beim Geschlechtsverkehr und Brennen beim Harnlassen: Wer schon einmal einen Scheidenpilz hatte, kennt diese Symptome gut. Wenn die Beschwerden nach einer Therapie nicht abklingen, müssen jene unbedingt weiter abgeklärt werden, informiert die Gynäkologin Dr. Martine van Leeuwen.

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(Foto: Thinkstock, milosljubicic, iStock)

An der Oberfläche unserer Haut, im Mund, im Darm oder in der Scheide: Überall sitzen Keime. Der menschliche Körper ist nicht „steril“. Auch wenn es Millionen von Mikroorganismen im Körper gibt, können nur wenig hundert eine Krankheit auslösen.

Ob es zu einer Entzündung kommt, hängt von verschiedenen Faktoren ab: u. a. Aggressivität eines Krankheitserregers, Anzahl der Keime, Widerstandsfähigkeit des Menschen. Dabei unterscheidet man vier Arten von Erregern: Bakterien, Viren, Pilze, Protozoen (d. h. tierische Einzeller). Für Entzündungen im Genitalbereich ist eine Pilzinfektion einer der häufigsten Ursachen, wobei es sich bei Scheidenpilz (d. h. vaginale Candidose) in 85-90% der Fälle um den „Pilz“ Candida albicans handelt.

Gesundes Scheidenmilieu

„In der Scheide einer gesunden Frau gibt es eine große Anzahl an Bakterien, die Lactobazillen (sog. Döderlein Bakterien, 100 Millionen/ml), die ein saures Milieu aufrecht erhalten“, so Dr. Martine van Leeuwen. „Unter Östrogen-Einfluss kommt es zu einer Vermehrung von Glykogen (d. h. Zucker) in den Schleimhautzellen der Scheide. Dieses wandelt Lactobazillen in Milchsäure (d. h. Lactat) um. Dadurch entsteht ein saures Milieu (pH <4,5). Dies wiederum hemmt das Wachstum krankmachender Keime wie Pilze, Protozoen (z. B. Trichomonaden, d. h. Geißeltierchen) und Bakterien. Dabei unterscheidet man bis zu 50 verschiedene Stämme von Lactobazillen. Wobei beim Menschen bevorzugt 5 bis 7 Arten vorkommen, die von Frau zu Frau verschieden sein können. Das erklärt die unterschiedliche Anfälligkeit auf Infektionen.“

Erhöhte Infekt-Anfälligkeit

Die Anwesenheit von Lactobazillen ist östrogenabhängig: Lactobazillen lassen sich ab der Pubertät bis zur Menopause nachweisen. Aber kurz vor und kurz nach einer Menstruationsblutung, wenn der Östrogen-Spiegel niedrig ist, kann es zu einer Abnahme der Lactobazillen-Anzahl kommen und somit zu einer erhöhten Infekt-Anfälligkeit. „Das erklärt, warum viele Frauen gerade vor oder nach ihrer Monatsblutung über Juckreiz klagen“, so die Gynäkologin.

Die u. a. Faktoren können eine Entzündung begünstigen, da sie Einfluss auf die Lactobazillen-Anzahl nehmen können:

  • Jede Störung des Hormonhaushaltes (Pille, Menopause)
  • Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus)
  • antibiotische Therapie
  • abwehrgeschwächte Patienten, immunsuppressive Therapie (medikamentöse Hemmung des Immunsystems )

Wenn der ph-Wert steigt!

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Dr. Martine van Leeuwen rät jede Entzündung in der Schwangerschaft so rasch als möglich behandeln zu lassen, da sie eine Frühgeburt auslösen kann. (Foto: privat)

„Neben den Lactobazillen sind auch krankmachende Keime in der Scheide vorhanden; jedoch in weit geringerer Zahl 10.000-100.000/ml“, informiert Dr. Martine van Leeuwen. „Wenn die Lactobazillen-Flora durch eine Antibiotika-Einnahme, Scheidenspülungen oder Blutungen gestört wird, steigt der pH-Wert in der Scheide und es entsteht ein basisches Milieu, sodass die vorher unterdrückten Keime wachsen, sich ausbreiten und eine Entzündung verursachen können.“

ph-Schock der Scheide

Ebenso können äußerlich eingebrachte Keime, z. B. durch Geschlechtsverkehr, eine Entzündung auslösen. Dass kann aber auch dann passieren, wenn der Partner keine Krankheit übertragen hat. Wie kann das sein? „Das Ejakulat des Mannes ist basisch, der pH in der Scheide sauer. Bei häufigem Geschlechtsverkehr kann es zu einem sog. pH -Schock der Scheide kommen, wodurch eine Entzündung entsteht kann“, klärt die Gynäkologin auf. „Eine Partnertherapie ist nur dann notwendig, wenn der Partner auch Beschwerden hat bzw. bei chronisch wiederkehrenden vaginalen Pilzinfektionen der Frau (d. h. öfter als 4-mal pro Jahr bis alle 4 Wochen) und positivem Keimnachweis des Partners.“

Anzeichen, die aufhorchen lassen

  • Juckreiz, vor allem an den Schamlippen und Scheideneingang mit geröteter Schleimhaut
  • Weißlicher, bröckeliger, geruchloser Ausfluss
  • Schmerzen beim Geschlechtsverkehr
  • Brennen beim Harnlassen

Dr. Martine van Leeuwen rät Beschwerden durch einen Facharzt für Gynäkologie begutachten zu lassen; vor allem wenn die Beschwerden nach einer einmaligen Therapie nicht besser geworden sind. Tipp! Wenn Sie zu Scheidenpilz-Infektionen neigen, dann packen Sie vorsorglich dementsprechende Zäpfchen und Salben bzw. Tabletten in Ihre Reiseapotheke. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an den Gynäkologen Ihres Vertrauens.

Autorenschaft: Mag. Katharina Tentschert, Publizistin im Bereich Gesundheitskommunikation, in Abstimmung mit Dr. Martine van Leeuwen, Gynäkologin (Stand: Juni 2014)