Zöliakie

„Von zehn Zöliakie-Betroffenen wird bei nur einer Person im Durchschnitt europaweit Zöliakie richtig diagnostiziert“, so Hertha Deutsch, Vorsitzende der Österreichischen Arbeitsgemeinschaft Zöliakie. Der Weg hin zu der richtigen Diagnose kann dabei viele Jahre dauern.

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Dr. Susanne Oswald (Foto: privat)

„Zöliakie – das heißt Gluten-Unverträglichkeit – ist eine autoimmunologische Erkrankung mit einer Störung der Dünndarmfunktion. Sie entsteht durch eine Entzündung der Dünndarmschleimhaut, die dadurch atrophiert (d. h. schrumpft) und somit funktionslos wird“, erklärt Dr. Susanne Oswald, Fachärztin für Innere Medizin mit dem Zusatzfach Gastroenterologie und Hepatologie. „Verursacht wird die Erkrankung durch Kontakt mit Gluten, einem Bestandteil in vielen Getreidesorten wie z. B. Weizen, Gerste, Hafer und Roggen. Ca. 1 % aller Österreicher sind davon betroffen.“

Beschwerden, die ein Hinweis sein können

Die Beschwerden sind je nach Ausprägung unterschiedlich und können von Gewichtsverlust, Blutarmut, dauerhaftem Durchfall, Erbrechen, Müdigkeit, Depressionen bis hin zu Wachstumsstörungen im Kindesalter gehen. Die Erkrankung kann vom Säuglings- bis zum Erwachsenenalter auftreten.

Die richtige Diagnose ist wichtig

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Hertha Deutsch (Foto: privat)

Das betont die Vorsitzende der Österreichischen Arbeitsgemeinschaft Zöliakie, Hertha Deutsch, immer wieder: „Der Nachweis von IgA-Antikörper (EMA und/oder tTG) im Blut und eine Gastroskopie sind wichtig.“ Dabei sind Lebensmittelunverträglichkeitstests für eine Zöliakie-Diagnose nicht geeignet. Vor allem auch der Ratschlag, einmal eine glutenfreie Diät auszuprobieren, ist kontraproduktiv. „Denn Zöliakie ist unter glutenfreier Diät nicht mehr nachweisbar und für die Diagnose muss dann erst wieder eine Glutenbelastung erfolgen, um einen aussagekräftigen Befund  erstellen zu können“, so Hertha Deutsch. „Wichtig ist auch die Unterscheidung zwischen Weizenallergie, Zöliakie und Nicht-Zöliakie-bedingter Glutensensitivität – drei verschiedene Erkrankungen mit unterschiedlichen Diäten.“

Lebenslange glutenfreie Diät

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Dr. Ernst Oswald (Foto: privat)

„Momentan ist die einzige gesicherte Möglichkeit, die Krankheit zu behandeln, eine lebenslange glutenfreie Diät, wodurch sich die Darmschleimhaut wieder erholt und auch die Risiken der Langzeitfolgen sinken“, informiert Dr. Ernst Oswald, Facharzt für Innere Medizin mit dem Zusatzfach Gastroenterologie und Hepatologie. „Zu vermeiden sind: Weizen, Gerste, Roggen, wie auch deren botanisch verwandte Ur-Sorten wie Dinkel und Grünkern.“ Als Alternative zu den glutenhaltigen Getreidearten sind ausdrücklich erlaubt: Hirse, Mais, Reis, Amarant, Tapioka, Buchweizen, Quinoa, Sojabohnen, Kastanie und Kochbanane. Weiter sind Gemüse und Kartoffeln, Salate, Früchte, Fleisch und Fisch, Eier, Milch und Milchprodukte erlaubt.

Wie geht es den Betroffenen?

Schaut man sich die Liste der zu vermeidenden Lebensmittel an, dann stellt sich die Frage, wie man das im Alltag umsetzen soll? Hertha Deutsch weiß, dass alleine schon die richtige Diagnose und damit das Ende eines oft jahrelangen Leidensweges eine große Erleichterung sind; dazu noch das Wissen, dass alle Beschwerden alleine durch eine glutenfreie Diät behandelt werden können.

Hilfreiche Informationen für den Alltag

Vor allem mit weiterführenden und umfassenden Informationen ist den Betroffenen sehr geholfen, wie:

  • Die Gluffex-Datenbank der Österreichischen Arbeitsgemeinschaft Zöliakie, in der über 10.000 glutenfreie Lebensmittel enthalten sind.
  • Das Zöliakie-Handbuch  ist das Standard-Nachschlagewerk für ein glutenfreies Leben und enthält medizinische Informationen, Listen von glutenfreien Lebensmitteln von über 500 Firmen und Marken, Bezugsquellen, Rezepte, Urlaubsinformationen und -adressen.
  • Der Kontakt und Austausch mit anderen Zöliakie-Betroffenen, die schon längere Zeit sehr gut mit der glutenfreien Ernährung zu Recht kommen und viele Tipps weitergeben können.

Fachliche Ansprechpartner

Ansprechpartner sind alle im Gesundheitsbereich Tätigen, die eine fachliche Spezialisierung im Bereich Zöliakie haben wie

  • Gastroenterologen, die sich auf Zöliakie spezialisiert haben
  • Diätologen
  • Österreichische Arbeitsgemeinschaft Zöliakie

Weiterführende Informationen

Autorenschaft: MMag. Angela Jaksch, freischaffende Publizistin, in Abstimmung mit Dr. Susanne und Dr. Ernst Oswald, Fachärzte für Innere Medizin mit dem Zusatzfach Gastroenterologie und Hepatologie, und Hertha Deutsch, Vorsitzende der Österreichischen Arbeitsgemeinschaft Zöliakie (Stand: März 2014)