Pilates for life

Stone Pathway

(Foto: Thinkstock, sanmai)

Jeder, der die Diagnose Krebs (in meinem Fall Brustkrebs) erfährt, hat ab dem Moment eine Veränderung in seinem Leben. Es fühlt sich für jeden individuell an: Man verliert den Boden unter den Füßen, der Atem stockt, man ist schockiert, verängstigt, traurig … diese Liste ist noch lange nicht zu Ende.

Ein Erfahrungsbericht von Elisabeth Rosen

Die erste Zeit ist voll von Informationen, Entscheidungen, Untersuchungen, Behandlungen etc. All diese Unterstützung von Seiten der Medizin und der Familie war in meinem Fall wunderbar, jedoch fühlte ich mich verängstigt. Operation und nachfolgende Rekonvaleszenz sowie die vielen folgenden Therapien stahlen mir meine Energie, meine Unabhängigkeit. Und es folgten Nebenwirkungen aufgrund schwerer Medikamente, die ich primär ablehnte (erst später zu akzeptieren und schätzen lernte).

Warum ich?

Das medizinische Team traf Entscheidungen, die mir Angst machten, meine Kraft nahmen und mich sehr verunsicherten. Gleichzeitig entstand die Frage: „Warum ich?“

Als diplomierte Gesundheits- und Krankenschwester (DGKS) und zertifizierte Pilateslehrerin war ich immer bemüht um einen gesunden Lebensstil. Ich kannte den Umgang mit Patienten, hatte auch in meiner Tätigkeit als DGKS und Pilateslehrerin Erfahrungen mit Krebspatienten gemacht und war nun plötzlich selbst in der Patientenrolle.

Gefühl der Dankbarkeit

Andererseits war das Gefühl der Dankbarkeit da, dass ich das Glück hatte den Tumor in diesem frühen Stadium zu finden, dass es diese Therapien gibt, die mich „heilen“ können, die physische und psychische Stärke aufzubringen, um all die vorgesehenen Behandlungen zu ertragen und wieder zu meinen ursprünglichen Energien zu finden.

In der Zeit der Chemo-Therapien spürte ich wie diese Kraft schwand und die Muskulatur sich in Windeseile reduzierte. Nach den Behandlungen ging ich nach Hause in einem körperlichen Chaos.

Eine aktive Rolle in der Genesung spielen

Bildschirmfoto 2014-12-03 um 11.58.51

Elisabeth Rosen, Pilatestrainerin in Wien und NÖ

Doch mein anfangs reduziertes, aber regelmäßiges Training mit Pilates half mir eine aktive Rolle in meiner Genesung zu spielen und meine Ängste zu reduzieren.
Ich spürte, dass mein Körper wieder Kraft erhielt und die Steifigkeit aus meinen Gelenken und der Muskulatur mit jeder Stretchbewegung leichter wurde.

„Eine Gewichtsreduktion ist bei Brustkrebs ein wichtiger (neu bestätigter) prognost. positiver Befund. Somit sind alle Arten einer physischen Betätigung, die dazu führen zu empfehlen“, informiert Univ. Prof. Dr. Christoph Zielinski, Facharzt für Innere Medizin (Hämatologie und medizinische Onkologie)

Ich habe das Vertrauen in meinen Körper sukzessive wieder zurückerhalten. Ich konnte die Zeit zwischen den Therapien gut nützen und ein relativ „normales“ Leben führen.

Viele unerwartete Nebenwirkungen haben mir Angst gemacht und mein Leben mehr oder weniger beeinträchtigt. Aber das regelmäßige Training hat mich gestärkt und bald den Gedanken aufkommen lassen, dass diese Möglichkeit für alle Patienten zur Verfügung stehen sollte: Einerseits die Behandlungszeit besser zu überstehen, die Nebeneffekte abzuschwächen und andererseits die Heilung zu fördern, das Immunsystem zu stärken und ein Wohlbefinden und Vertrauen in den eigenen Körper zurück zu erlangen.

Was Pilates kann

Pilates kann die normalen Körperfunktionen positiv beeinflussen, wie Verdauung, Lymphfluss, Herzfunktion, Atmung etc. Es unterstützt die Haltung, hilft zu stabilisieren und mit Hilfe von Konzentration die Balance und mentale Ruhe zu bekommen sowie den Körper zu entspannen bzw. zu kräftigen.

„Leben ist Bewegung. Bewegung ist Leben. In Pilates wird der Mensch in seiner Gesamtheit gesehen“, so Dr. Anne Warlamides, Osteopathin und Leiterin der physikalischen Abteilung der Barmherzigen Brüder.

Eine Krise provoziert Veränderung

Es ist eine Chance, die Krankheit und psychische Krise als Geschenk für eine Lebensveränderung zu sehen. Das klingt sehr idealistisch und ist nicht immer leicht umzusetzen. Aber ich habe keinen Zweifel, dass mit Hilfe von gezielter Bewegung, Aufmerksamkeit auf sich selbst, Geduld, Körperkontrolle und mit Hilfe von bewusster Atmung ein gutes Rezept und ein Wellnessplan für die weitere Gesundheit bzw. für bessere Lebensqualität gefunden werden kann.

Der Fokus liegt im Moment zu sein und jede Minute Wohlbefinden zu genießen.

Weiterführende Informationen

Autorenschaft: Elisabeth Rosen, diplomierte, zertifizierte Pilates-Trainerin, diplomierte Gesundheits- und Krankenschwester, akademisch geprüfte Krankenhaus-Managerin (Stand: Jänner 2016)