Multiple Sklerose (MS)

Der Wille versetzt Berge, lautet das Motto von Barbara T., die im Pilates mehr Stabilität in ihren Bewegungen und mehr Ruhe in ihrem Alltag gefunden hat. Trainerin Elisabeth Rosen weiß, worauf es beim Training mit MS-Patienten, Menschen im höheren Alter bzw. mit einer körperlichen Einschränkung ankommt.

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Elisabeth Rosen und Barbara T. (Foto: privat)

Multiple Sklerose ist die häufigste Erkrankung des zentralen Nervensystems bei jungen Erwachsenen, die bei jedem Patienten unterschiedlich verlaufen kann. Schätzungsweise sind weltweit 2,5 Millionen Menschen davon betroffen. In Österreich leben rund 12.500 MS-Betroffene, jährlich kommen ca. 350 bis 400 Menschen mit einer Neuerkrankung dazu. Frauen trifft es doppelt so häufig wie Männer. MS wird am häufigsten im Alter zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr diagnostiziert. Symptomen wie Kribbeln, Gefühlsverlust, Sehstörungen, Schwierigkeiten beim Gehen können ein Hinweis sein.1)

So erging es auch Barbara T. 1983 wurde bei ihr – im Alter von 24 Jahren – MS diagnostiziert. „Der Weg von den ersten Beschwerden bis hin zur Diagnose war für die Mediziner nicht lang; für mich schon, denn ich habe die Krankheit nicht akzeptiert“, erzählt die diplomierte Krankenschwester rückblickend. „Erst 10 Jahre später, als bei meinem damals vierjährigen Sohn Diabetes diagnostiziert wurde, habe ich angefangen mich auch mit meiner eigenen Erkrankung auseinander zu setzen.“

Zur Ruhe kommen

Private Unstimmigkeiten und ein Ende der beruflichen Tätigkeit haben den Weg der Auseinandersetzung mit der Krankheit begleitet. „Erst nach der Trennung von meinem Ex-Mann und der Übersiedlung in eine eigene Wohnung im Jahr 2010 bin ich zur Ruhe gekommen“, so Barbara T. Zeitgleich hat sie Pilates für sich entdeckt und in Elisabeth Rosen eine Trainerin, die das Training auf ihre Bedürfnisse abstimmt.

Pilates für mehr Stabilität

„Ich habe vieles ausprobiert, konnte aber nichts dauerhaft machen, weil mir die Kraft gefehlt hat. Im Pilates findet man Stabilität und Kraft für sich selbst, weil die Tiefenmuskulatur gezielt trainiert wird“, so die begeisterte Kursbesucherin. „Der Körper zeigt einem, was geht und was nicht geht. Ich habe lernen müssen, nicht mehr über meine Grenzen zu gehen. Heute muss ich mir nichts mehr beweisen.“

Seit 2010 besucht Barbara T. einmal pro Woche ein Pilates-Training bei Elisabeth Rosen. Nur wenn sie krank ist oder bei starker Hitze, die sie nur schwer verträgt, pausiert sie. „Manchmal bin ich nach dem Training den ganzen Nachmittag müde. Dann gönne ich mir, mich am Sofa auszurasten. Ich habe gelernt, für mich selbst etwas zu tun, ohne Rechtfertigung. Und ich weiß, am Tag nach dem Training geht es mir besser, dank Pilates.“

„So lange man gehen kann, sollte man gehen.“

So der Leitspruch von Barbara T. „Für mich als Trainerin ist es ein tolles Erlebnis zu sehen, dass Barbara es geschafft hat, in der Gruppe mitzumachen “, sagt Elisabeth Rosen. „Barbara trainiert bewusst in einer Gruppe mit älteren Menschen bzw. mit Personen, die ihre Problembereiche haben. Dabei  gibt es immer wieder Übungen, die man individuell adaptieren muss. So fühlt sich Barbara nicht unwohl, wenn sie etwas einmal nicht machen kann und ev. die Bewegung an ihre Bedürfnisse angepasst bekommt. Diese Gruppe hat eine ganz starke, positive Eigendynamik über die Jahre angenommen, die eine positive Motivation für Barbara darstellen.“

„Was mir gut tut und was geht, das mache ich mit“, ergänzt Barbara T. „Und manchmal mache ich meine kleinen individuellen Pausen. Übrigens befürwortet auch mein behandelnder Neurologe mein regelmäßiges Pilates-Training.“

Tipps von der Trainerin

Wer einen qualifizierten Pilates-Trainer in seiner Wohnortnähe sucht, dem rät Elisabeth Rosen:

  • Achten Sie auf eine gute Ausbildung des Trainers.
  • Der Trainer sollte zumindest 150 Ausbildungsstunden haben,
  • Mitglied im Pilates Verband Austria sein,
  • geschult im Umgang mit Menschen mit einer Einschränkung sein und
  • idealerweise ein medizinisches Hintergrundwissen wie z. B. Physiotherapie haben.

„Vor dem Beginn eines Gruppentrainings ist eine Einführung in die Pilatesmethode und ein Erstgespräch nötig, um die entsprechenden Schwierigkeiten herauszuhören. Eine Schulung der Körperhaltung im Einzeltraining unter Berücksichtigung der Kenntnisse aus der Spiraldynamik (d. h. wie bewege ich mich gesund) ist sehr wichtig“, rät Elisabeth Rosen.

Elisabeth Rosen ist diplomierte, zertifizierte Pilates-Trainerin, diplomierte Gesundheits- und Krankenschwester, akademisch geprüfte Krankenhaus-Managerin, Ausübende der Spiraldynamik und Mitglied im Pilates Verband Austria.

Weiterführende Informationen

Autorenschaft: Mag. Katharina Tentschert, Publizistin im Bereich Gesundheitskommunikation, in Abstimmung mit Elisabeth Rosen, diplomierte, zertifizierte Pilates-Trainerin, diplomierte Gesundheits- und Krankenschwester, akademisch geprüfte Krankenhaus-Managerin (Stand: März 2014)

Eine Kooperation mit www.vielgesundheit.at

Quelle: 1) Österreichische Multiple Sklerose Gesellschaft, www.oemsg.at