Leben mit Diabetes

Seit fast 40 Jahren leistet die bundesweit größte und älteste Diabetiker-Interessensvertretung ÖDV wertvolle Beratungs- und Betreuungsarbeit. Doch es wird immer schwieriger, dieses vielfältige Angebot aufrecht zu erhalten, berichtet die Bundesvorsitzende Anna Mayer.

Unzureichende Information und Versorgung waren die Gründe, warum Eltern im Jahr 1977 den „Bund diabetischer Kinder“ in Graz gegründet haben. Im Jahr 1982 erfolgte dann der Zusammenschluss mit den Erwachsenen-Gruppen. Daraus wurde 1988 die ÖDV.

Mit welchen Projekten ist die ÖDV in ihrer Geschichte dem Informationsbedarf der Betroffenen nachgekommen?

ÖDV-Schulungs- und Erholungscamp für Kinder mit Diabetes (Foto: ÖDV)

Zwischen 1980 und 1990 hat die ÖDV gemeinsam mit der Österreichischen Diabetesgesellschaft (ÖDG) die Diabetesberaterausbildung organisiert. Bereits Anfang der 90iger Jahre hat die ÖDV in Salzburg die erste „Mobile Diabetikerschulung“ organisiert. Dabei hat es sich um ein reisendes Schulungsteam, bestehend aus einem Arzt, einer Diätologin und einer Diabetesberaterin gehandelt. Ähnliche Projekte sind bald auch in anderen Bundesländern gefolgt.

1992 haben wir mit dem Zeitschriftenprojekt Mein Leben begonnen. Die ÖDV-Diabetikerzeitschrift bietet uns neben unserer Website mit die Möglichkeit, jeden zu erreichen, der sich informieren möchte. Somit war die Herausgabe von Mein Leben im Eigenverlag ein weiterer Schritt zur Diabetikerinformation; vor allem in dem mit Informationen unterversorgten ländlichen Bereich.

1996 hat eine von der ÖDV initiierte Unterschriftenaktion die Forderung nach dem öffentlichen Ausbau der Diabetikerschulungen unterstützt. 10.000 gesammelte Unterschriften wurden dem damaligen Gesundheits- und Sozialminister Hums im Nationalrat überreicht.

Wofür macht sich die ÖDV heute stark?

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ÖDV-Bundesvorsitzende Anna Mayer (Foto: ÖDV)

Als Interessenvertretung für Diabetiker hat sich die ÖDV für die Übernahme der Kosten von Einmalspritzen bei den Sozialversicherungen stark gemacht. Des Weiteren kämpfen wir mit unterschiedlichem Erfolg immer wieder für Planstellen der Diabetesberaterinnen.

Mit Unterstützung der ÖDG haben wir uns schon lange Zeit für die Gleichstellung bei der Abgabe von Blutzucker-Mess-Streifen eingesetzt. Leider ist die Handhabung bei der Abgabe von Diabetikerbedarf von Bundesland zu Bundesland und von Sozialversicherung zu Sozialversicherung unterschiedlich.

Was bietet die ÖDV Betroffenen?
Als bundesweit größte und älteste Diabetiker-Interessenvertretung sind wir seit fast 40 Jahren mit inzwischen über 50 Gruppen, 8 Beratungsstellen und mehr als 90 ehrenamtlichen Mitarbeitern aktiv. In enger Zusammenarbeit mit Diabetesexperten informieren und schulen wir Menschen mit Diabetes und Angehörige. Das Ziel ist ein optimales Selbstmanagement der Diabetiker, um deren Lebensqualität zu verbessern sowie die leidvollen, kostenintensiven Diabetes-Folgeschäden zu vermeiden.

Die Arbeit der ÖDV umfasst die folgenden Projekte
• 14-tägiges Schulungs- und Erholungscamp für Kinder mit Diabetes am Wolfgangsee
• 6 Tage Diabetes-Update für Jugendliche in Obertauern
• 6 Tage Skifahren für Kinder und Jugendliche in Wagrain
• Familienschulungswochenenden in Kärnten, Wien, Salzburg und Niederösterreich
• Informationstage für Insulinpumpenträger
• Diabetes Nannys in Salzburg und Tirol. Diabetesberaterinnen fahren zu den Familien, sowie in Kindergärten und Schulen, um vor Ort Informationsarbeit zu leisten.
• Mobile Beratung in Wien – in Kindergärten und Schulen
Österreichischer Diabetikertag einmal im Jahr

Gibt es ein Projekt, das Ihnen besonders am Herzen liegt?

Besonders hervorzuheben ist die Organisation unseres Schulungs- und Erholungscamps für Kinder mit Diabetes: Hier werden jährlich 37 Kinder in St. Gilgen am Wolfgangsee professionell unter der medizinischen Leitung der Universitäts-Kinderklinik Wien rund um die Uhr betreut. Da es in Österreich keine Rehab für Kinder mit Diabetes gibt, ist unser Camp trotz ständig steigender Kosten immer ausgebucht. Das Camp ist die teuerste Schulungsaktivität der ÖDV, deren Durchführung wegen steigender Personal- und Unterkunftskosten immer schwieriger wird.

Womit kämpft die ÖDV heute?

Dieses vielfältige Angebot aufrecht zu erhalten, wird für die ÖDV immer schwieriger. Ein Grund dafür sind die hohen Personalkosten. Ein weiterer sind die seit einigen Jahren sinkenden Mitgliederzahlen. Todesfälle und Austritte können mit Neu-Beitritten nicht ausgeglichen werden. Öffentliche Subventionen und Förderungen werden gekürzt oder werden ganz aus den Budgets gestrichen. Dennoch ist die Nachfrage, besonders nach Angeboten im Kinder- und Jugendbereich durch vermehrte Neuerkrankungen steigend. Oft können nur 50 % der Bewerber aufgenommen werden.

Was würden Sie sich wünschen?

Ich würde mir wünschen, dass die Arbeit der Selbsthilfegruppen endlich als zusätzliches Angebot im Gesundheitsbereich angesehen wird und es eine Basisfinanzierung gibt. Darüber hinaus arbeiten wir am Image der Betroffenen: Denn Diabetikern wird noch immer die Schuld an ihrer Erkrankung zugeschrieben, seien sie doch „zu dick und zu faul“.

Und natürlich wünschen wir uns, dass sich wieder mehr Betroffene und Angehörige in der Selbsthilfe engagieren. Denn: Nur Betroffene können Betroffenenkompetenz erwerben und diese anderen Betroffenen vermitteln.

Kontakt

Österreichische Diabetikervereinigung

Autorenschaft: Mag. Katharina Tentschert, Publizistin im Bereich Gesundheitskommunikation, in Abstimmung mit ÖDV-Bundesvorsitzende Anna Mayer (Stand: Mai 2014)