Diabetes-Signalhund

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Bild: Verein Partner-Hunde Österreich

Assistenzhunde für Menschen mit Diabetes: Der Verein Partner-Hunde® Österreich ist die einzige international akkreditierte Assistenzhunde–Schule in Österreich.

Ein Gastartikel von Elisabeth Färbinger

Diabetes mellitus (im Volksmund > Zuckerkrankheit genannt) betrifft ca. 500.000 ÖsterreicherInnen und wird unterschieden in Typ I (Kinder- und Jugend Diabetes: 40.000 Betroffene) und Typ II („Alters-Diabetes“: 460.000 Betroffene); mit einer geschätzten Dunkelziffer von 30%.

Für betroffene Personen ist die medizinische Regulierung dieser Erkrankung oft sehr schwierig bzw. unmöglich. Es kommt täglich mehrmals zu großen Schwankungen zwischen Hypo- und Hyperglykämie. 6 bis 15 notwendige Blutzuckermessungen pro Tag sind keine Seltenheit und geben dennoch keine absolute Sicherheit. Diabetes kann eine lebensbedrohende Erkrankung sein – für Betroffene und Angehörige daher beängstigend und mit viel Stress verbunden.

Hunde lernen lebensbedrohliche Unterzuckerungen zu erkennen

Ein Diabetes-Signalhund lernt Zuckerwerte außerhalb des Normalbereiches anzuzeigen. In Absprache mit den meisten BewerberInnen sind die Werte unter 70 und über 220 mg/dl von Bedeutung. Wir richten uns dabei an die individuellen Angaben. Der Hund lernt somit eine eventuelle lebensbedrohende Unterzuckerung (Hypoglykämie), aber ebenso eine auf Dauer sehr schädigende Hyperglykämie rechtzeitig zu erkennen. Das Training erfolgt mittels gesammelter Geruchsträger der betroffenen Personen.
Wie der Hund in einer Notsituation reagiert, ist unterschiedlich – üblich ist: Stupsen, Lecken, Bellen, Anspringen bzw. das Notfall-Kit bringen oder einen Alarmknopf drücken.

Hunde nehmen oftmals mehr wahr als Messgeräte

Nach jeder Alarmierung des Signal-Hundes erfolgt eine Blutzuckermessung, um den Wert zu kontrollieren. Für jeden richtigen Wert erhält der Hund sofort eine wertvolle und hochwertige Belohnung. Bei jedem grenznahen richtigen Wert, muss er warten. Es ist wichtig, dass in ca. 15 Minuten eine Nachmessung erfolgt, sollte der Wert jetzt stimmen, erfolgt die Belohnung. Oft zeigt sich, dass der Hund schon mehr wahrnimmt, als das Messgerät anzeigt.

Diabetes-Signal-Hunde müssen „Workaholics“ sein

Der Verein Partner-Hunde verwendet verschiedene Rassen zur Assistenzhunde-Ausbildung. Es gibt nicht die Rasse schlecht hin. Wichtig ist die Gesundheit, ein freundlicher Charakter, Aufmerksamkeit und Arbeitsbereitschaft sowie Nervenstärke.

Für Diabetes-Signal-Hunde sollte auch die Beschreibung „Workaholic“ stimmen. Denn diese Hunde sind ja in manchen Lebenssituationen 24 Stunden im „stand by“ – Modus. Bei allein lebenden Erwachsenen ist der Hund ständiger Begleiter und somit „ständig“ in Bereitschaft. In anderen Fällen könnte der Signal-Hund eine bewusste „Aus-Zeit“ bekommen, indem er regelmäßig ein paar Stunden mit dem Lebenspartner verbringt. Da wir auch Signal-Hunde für Kinder ab 12 Jahren ausbilden, ergibt sich hierbei eine natürliche Auszeit, indem der Hund nicht mit in die Schule genommen wird.

Zuverlässigkeit von 90%-100%

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Elisabeth Färbinger (Bild: Verein Partner-Hunde Österreich)

Das primäre Ziel sind Tag-Alarmierungen, die mit einer 90% -100% Zuverlässigkeit erreicht werden. Nacht-Alarmierungen kann man nicht versprechen, da diese von mehreren verschiedenen Faktoren abhängen. Nacht-Alarmierungen entwickeln sich (wenn überhaupt) meist erst nach ein paar Monaten des intensiven Zusammenlebens.

Die Teamschulung von Diabetes-Signalhunden mit ihren neuen Besitzern erstreckt sich über ein bis drei Monate – abhängig von der Häufigkeit der auftretenden Unter-zuckerungen. Jede Unterzuckerung ist hierbei für den Hund ein Lernangebot und wichtige Erfahrung. Die ihm bis dato vertrauten „künstlichen“ Geruchsproben müssen nun systematisch durch „echte“ Unterzuckerungen untermauert bzw. ersetzt werden.

Den Hund „lesen“ lernen

„Idealerweise“ gibt es in der Anfangsphase 2-4 Unterzuckerungen pro Tag. Wichtig in diesen ersten Wochen und Monaten ist auch die genaue Protokollführung bezüglich Anzeigeverhalten, Anzeigeintensität, registrierter Wert etc. Gleichzeitig muss aber auch der neue Besitzer lernen den Hund richtig zu „lesen“, die Alarmierung zu erkennen, richtig zu reagieren und auch mit Fehlmeldungen richtig umzugehen.

Aber es geht nicht nur um die richtige Handhabung bezüglich der Spezialausbildung, sondern ganz allgemein um punkto Hundeführung, Motivation, Korrektur, mögliche Erkrankungen uvm. Hierfür kommen die Bewerber für ein 12-tägiges Training zu uns auf den Partner-Hunde Hundehof. Im Anschluss erfolgt ein sehr genau angeleitetes fortführendes Training durch die Person mit Diabetes bzw. mit den Eltern des Kindes Zuhause.

Den Hund auch Hund sein lassen

Wichtig! Ein Diabetes-Signalhund kann weder die Krankheit heilen, noch ist er ein mechanisches Hilfsmittel. Eventuell übersieht der Hund sogar einmal einen kritischen Wert. Der Hund kann für das Leben der betroffenen Person keine Verantwortung übernehmen.

Ein Diabetes-Signalhund braucht wie jeder andere Hund auch Pflege, regelmäßige Spaziergänge und intensive Zuwendung so wie ein fast „lückenloses“ Zusammenleben mit seinem Besitzer. Durch seine Anwesenheit vermittelt er Sicherheit und verbessert so Lebensfreude & Lebensqualität!

Elisabeth Färbinger hat ihre Ausbildung zur Assistenzhunde-Trainerin in Amerika absolviert und bis dato 285 Assistenzhunde ausgebildet. Vor 25 Jahren hat sie den Verein Partner-Hunde gegründet und leite diesen. Sie ist als Assessor (Überprüferin) für die Dachorganisation ADEu tätig und züchtet seit 25 Jahren Labrador Retriever und Golden Retriever. (Stand: November 2014)

Gesetzesänderung wirksam seit 1.1.2015

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DI Gloria Petrovics (Bild: DI Wolfgang Petrovics)

„Mit 9.7. 2014 wurde eine Gesetzesänderung (§39a BBG, BGBl. 66/2014) beschlossen, der zu Folge alle Assistenzhunde, also auch die im Artikel angeführten Signalhunde zwei staatliche Prüfungen ablegen müssen – eine mit dem Trainer und eine mit dem neuen Hundeführer. Das Gesetz ist seit 1.1.2015 in Kraft. Hunde, die diese Prüfung nicht bestehen, sind keine Assistenzhunde und werden rechtlich wie ganz gewöhnliche Haushunde behandelt – mit allen Nachteilen wie Zutrittsverbot überall dort, wo Hunde ansonsten verboten sind, wie Lebensmittelgeschäfte, Veranstaltungsstätten (z.B. Kinos, Theater, Messen, Museen), Krankenhäuser und andere Gesundheitseinrichtungen etc. Ungeprüfte Hunde brauchen eine Fahrkarte in öffentlichen Verkehrsmitteln und unterliegen voll der Maulkorbpflicht. Bei Verletzung einer dieser Vorschriften kann es für die Hundeführer, auch wenn diese sehr wohl eine Behinderung haben, mit einem ungeprüftem Hund beträchtliche Verwaltungsstrafen geben. Man sollte also einen ungeprüften Hund weder kaufen noch sponsern und sich die Zeugnisse des Hundes bzw. des Teams vom Messerli-Forschungsinstitut der Vet. med Uni Wien zeigen lassen“, informiert DI Gloria Petrovics, Vorsitzende der Freunde der Assistenzhunde Europas. Weiterführende Informationen VetMedUni Wien (Stand: Feber 2015)