Diabetes im Griff

„Mit ‚Therapie Aktiv‘ bietet die Sozialversicherung ein Programm zur besseren Versorgung und Behandlung von Typ 2-Diabetikern an“, informieren die Allgemeinmediziner und Therapie-Aktiv-Ärzte Dr. Katharina Hadeyer-Ingolic und Dr. Gerald Schutting.

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(Foto: www.therapie-aktiv.at)

„Diabetes, auch Zuckerkrankheit genannt, ist die häufigste Stoffwechselerkrankung der westlichen Welt. In Österreich leiden derzeit ca. 500.000 Menschen an dieser Erkrankung bzw. an deren Folgen“, informiert Dr. Katharina Hadeyer-Ingolic. „Wobei Übergewicht als der wichtigste Risikofaktor für ihre Entstehung gilt. Bei gesunden Menschen wird in der Bauchspeicheldrüse das Hormon Insulin produziert, welches den Blutzuckerspiegel senkt. Der Leitbefund bei der Diabetes-Erkrankung ist eine Überzuckerung des Blutes, da die Bauchspeicheldrüse hier kein (Diabetes Typ 1) oder zu wenig (Diabetes Typ 2) Insulin produziert.“

Grundsätzlich werden zwei Formen von Diabetes unterschieden: Beim Typ 1-Diabetes wird die Bauchspeicheldrüse durch die körpereigene Abwehr vollständig zerstört, so dass kein Insulin mehr gebildet werden kann. Die genauen Ursachen dieser Zerstörung sind bis jetzt nicht bekannt. Es dürften sowohl angeborene als auch Umweltfaktoren eine Rolle spielen. Meist tritt der Typ-1-Diabetes bereits im Kindes- bzw. Jugendalter auf. Bei dieser Form von Diabetes muss immer Insulin von außen als Ersatz zugeführt werden (d. h. in Form von Injektionen in die Bauchdecke oder den Oberschenkel).

Altersdiabetes im Kindesalter?

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Dr. Gerhard Schutting (Foto: privat)

Zum Typ 2-Diabetes kommt es durch ein ständig erhöhtes Zuckerangebot aus der aufgenommenen Nahrung. Hierbei sprechen die Körperzellen weniger gut auf das Hormon Insulin an, wodurch der Blutzucker ansteigt. Die Bauchspeicheldrüse muss daher mehr Insulin produzieren, um dieselbe Wirkung zu erzielen. Nach einigen Jahren ist die Bauchspeicheldrüse „ausgebrannt“ und die Insulinproduktion geht deutlich zurück.

„Sollte durch diätische Maßnahmen sowie durch medikamentöse Therapie der Blutzuckerspiegel nicht auf ein korrektes Maß gesenkt werden können, muss Insulin von außen (d. h. in Form von Injektionen in die Bauchdecke oder den Oberschenkel) zugeführt werden“, klärt Dr. Gerald Schutting auf und warnt: „Durch die zunehmende Überernährung tritt der Typ 2-Diabetes, der früher als so genannter Altersdiabetesbezeichnet wurde, vereinzelt bereits im Kindesalter auf!“

Symptome ernst nehmen und abklären lassen

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Dr. Katharina Hadeyer-Ingolic (Foto: Donner / Gratwein)

Was das Tückische an der Erkrankung ist, sie verursacht lange keine Beschwerden. Oftmals wird Diabetes rein zufällig z. B. im Rahmen der Gesundenuntersuchung diagnostiziert. Die ersten Symptome sind meist unspezifisch wie Müdigkeit, vermehrtes Durstgefühl, vermehrter Harndrang, erhöhte Infektanfälligkeit und schlecht heilende Wunden. „Bei diesen Beschwerden sollte man hellhörig werden und die Symptome abklären lassen“, empfiehlt Dr. Katharina Hadeyer-Ingolic. „Denn langfristig unbehandelt kann ein erhöhter Blutzucker Nerven und Gefäße schädigen.“

Aufgrund der Nervenschädigung können Gefühlsstörungen – beginnend an den Füßen – auftreten. Diese Gefühlsstörungen können Missempfindungen wie Kribbeln oder Schmerzen, aber auch verminderte Empfindlichkeit in Bezug auf Temperatur oder Schmerzen sein. „Immer wieder haben Diabetiker offene Wunden an den Füßen, die sie aufgrund des deutlich herabgesetzten Schmerzempfindens lange Zeit selbst nicht bemerken“, so Dr. Gerald Schutting. „Durch die gefäßzerstörende Wirkung kann es zu Durchblutungsstörungen an den Extremitäten (bis zu deren Amputation) kommen sowie an inneren Organen wie bei Herz (bis zum Herzinfarkt), Gehirn (bis zum Schlaganfall) und Niere (bis zur Dialyse). Die Durchblutungsstörung betrifft auch die Augen. Es kann zu einer zunehmenden Sehverschlechterung bis hin zur Erblindung kommen.“

Was Diabetiker beherzigen sollen

Die beiden Allgemeinmediziner raten Betroffenen generell:

  • Lebens- und Essgewohnheiten adaptieren. Denn regelmäßige, körperliche Bewegung und die Reduktion von zucker- sowie stärkehaltigen Speisen (Weißmehl!) und Getränke senken den Blutzuckerspiegel.
  • tägliche Pflege und Kontrolle der Füße auf etwaige Verletzungen durch den Betroffenen selbst
  • regelmäßige Blutdruck- und Blutzuckerkontrollen durch den Betroffenen selbst
  • mindestens 1x pro Jahr: körperliche Untersuchung beim Allgemeinmediziner mit besonderem Augenmerk auf den Füßen
  • 1x pro Jahr: Kontrolltermin beim Augenarzt
  • Im Rahmen des DMP-Programmes („Therapie aktiv – Diabetes im Griff“):
  • alle 3 Monate Kontrolle beim Therapie-Aktiv-Arzt
  • alle 6 Monate eine Bestimmung der Laborwerte

Therapie Aktiv – Diabetes im Griff

Das Disease Management Programm Therapie Aktiv – Diabetes im Griff wird seit 2006 zur strukturierten und verbesserten medizinischen Betreuung von Typ-2-Diabetikern bei niedergelassenen Ärzten durch die österreichische Sozialversicherung angeboten. Begleit- und Folgeerkrankungen des Diabetes, die kostenintensive Untersuchungen sowie Therapien verursachen, sollen durch die optimale leitliniengemäße ärztliche Betreuung und die aktive Mitarbeit der Patienten vermieden oder zumindest hinausgezögert werden.

Die Teilnahme am Programm ist für die Diabetiker freiwillig und kostenlos. Diese werden im Rahmen des Programms gezielt informiert und durch die Vereinbarung von Zielen gemeinsam mit ihren Ärzten (z. B. Ernährungsumstellung) motiviert „aktiv“ an der Therapie mitzuhelfen. Erste Erfolge sind aus den Ergebnissen der letzten Patientenbefragung (2012) feststellbar: Die Teilnehmerer werden deutlich besser betreut, weisen einen subjektiv besseren Gesundheitszustand sowie Informationsstand auf und sind auch hinsichtlich des Lebensstils eher motiviert sich aktiv an der Behandlung zu beteiligen. Auch die diabetesrelevanten Untersuchungen (z. B. Augen- und Fußuntersuchungen) werden von den Ärzten im Programm regelmäßig gemacht.

Fast 40.000 Diabetiker profitieren bereits von dem verbesserten Betreuungsservice, das derzeit bereits von mehr als 1.000 Ärzten in den Bundesländern Niederösterreich, Oberösterreich, Salzburg, Steiermark, Vorarlberg und Wien angeboten wird.

Ansprechpartner

  • niedergelassene Ärzte für Allgemeinmedizin (Therapie Aktiv Ärzte )
  • Fachärzte für Innere Medizin
  • Diätologen
  • Diabetes Ambulanzen in den Krankenhäusern
  • Selbsthilfegruppen

Weiterführende Informationen

Eine Kooperation mit www.vielgesundheit.at

Autorenschaft: Mag. Katharina Tentschert, Publizistin im Bereich Gesundheitskommunikation, in Abstimmung mit Dr. Katharina Hadeyer-Ingolic und Dr. Gerald Schutting, Allgemeinmediziner und Therapie-Aktiv-Ärzte (Stand: Mai 2014)