Alzheimer

Betroffene helfen Betroffenen in der Selbsthilfegruppe Alzheimer Austria. Die Leiterin Antonia Croy und die Vizepräsidentin Monika Natlacen stellen das breite Unterstützungsangebot für Familienangehörige vor.

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Monika Natlacen, Vizepräsidentin Alzheimer Austria (Foto: www.mediendienst.com)

Alzheimer ist die häufigste Form der dementiellen Erkrankungen. Als Demenz bezeichnet man Symptome, die aufgrund der Schädigung und Zerstörung von Nervenzellen im Gehirn zu einer kognitiven und physischen Leistungsminderung führen. Derzeit leiden in Österreich etwa 130.000 Menschen an einer Demenz. Mit zunehmendem Alter steigt die Möglichkeit, an einer Demenz zu erkranken. Aufgrund der höheren Lebenserwartung könnte die Zahl bis zum Jahr 2050 auf 190.000 ansteigen.

Eine möglichst frühzeitige Diagnose ist aus mehreren Gründen von Bedeutung:

  • Nicht jede Vergesslichkeit ist Alzheimer! Es gibt Demenzen, die zu einem anderen Krankheitsbild gehören und behandel- oder heilbar sind.
  • Sollte die Diagnose aber doch Alzheimer lauten, dann bekommen die beunruhigenden Krankheitszeichen einen Namen und können zugeordnet werden. Verständnis entwickelt sich anstelle des Ärgers über das veränderte Verhalten des Erkrankten.
  • Frühzeitig können auch entsprechende Behandlungsmöglichkeiten eingeleitet werden, um die Schwere der Probleme für den Erkrankten und die Angehörigen zu mindern.
  • Eine gezielte Planung der Krankheitsjahre ist möglich sowohl bezüglich der familiären Situation und der Pflege als auch in finanzieller und rechtlicher Hinsicht.

Eine Vielzahl an modernen Untersuchungen und Tests erlauben in mehr als 90% der Fälle die richtige Diagnose.

Anzeichen einer Alzheimer-Erkrankung

Ein älterer Mensch vergisst gelegentlich etwas, erinnert sich aber wieder; er verlegt Dinge und findet sie wieder.
Der Alzheimer-Kranke beispielsweise …

  • vergisst und erinnert sich nicht.
  • verlegt Dinge an „unsinnige“ Orte (u. a. Kochtopf in den Wäscheschrank).
  • verirrt sich in nicht vertrauter Umgebung und kann nicht um Rat fragen.
  • weiß auch bei Routinehandlungen mit den einzelnen Gegenständen und Arbeitsschritten nichts mehr anzufangen.
  • setzt unpassende Wörter ein, sodass das Gesagte unverständlich wird.

Das Prinzip der Selbsthilfe

Die Selbsthilfegruppe „Alzheimer Austria“ wurde 1990 in Wien gegründet als direkte Ansprechpartnerin für Menschen mit Alzheimer Krankheit und ihren Angehörigen. Da die ehrenamtlich tätigen MitarbeiterInnen alle selbst pflegende Angehörige sind oder waren, sind die enormen Lebensveränderungen und Belastungen in den langen Jahren der Betreuung und Pflege bekannt und vertraut.

Unterstützung und Erfahrungsaustausch haben sich als wichtig und hilfreich erwiesen. Aus dem Prinzip der Selbsthilfe hat sich die Gruppe entwickelt, und dieser Gedanke steht immer noch im Vordergrund. Mit dem Ziel die Angehörigen bei ihrer schweren Aufgabe zu unterstützen und ihnen dringend benötigte Information zu vermitteln, da sie am Beginn der Krankheit mit sehr vielschichtigen und unlösbar scheinenden Fragen konfrontiert sind.

Gemeinsam nach Lösungen suchen

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Antonia Croy, Leiterin Alzheimer Austria (Foto: privat)

In einfühlsamen und persönlichen Gesprächen wird versucht, sie mit den Krankheitsproblemen vertraut zu machen, Hilfsmöglichkeiten aufzuzeigen und gemeinsam mit ihnen nach Lösungen zu suchen und Strategien zu erarbeiten. Die Kenntnis der krankhaften Vorgänge im Gehirn bewirkt größeres Verständnis für die Bedürfnisse und Verhaltensweisen des oder der erkrankten Angehörigen.

Diese Unterstützung trägt oft dazu bei, dass die Betroffenen länger in der gewohnten, häuslichen Umgebung bleiben können. Die Pflegenden werden besonders daraufhin gewiesen, unbedingt auf die eigene Gesundheit zu achten und mögliche Entlastungsangebote anzunehmen.

Bei frühzeitig gestellter Diagnose brauchen oft die Erkrankten selbst Unterstützung, da sie sich ihrer schwierigen Situation bewusst sind. Dabei geht es vor allem darum, die Betroffenen darin zu unterstützen, ihre Fähigkeiten zu erhalten, die Teilnahme am sozialen Leben zu fördern und den Wunsch nach Selbstbestimmung anzuerkennen und umzusetzen.

Angebote von Alzheimer Austria

Die Angebote des Vereins mit richten sich nach den Bedürfnissen der Mitglieder. Als hilfreich erwiesen haben sich:

  • Persönliche Beratung und Unterstützung der direkt oder indirekt von der Alzheimerkrankheit betroffenen Personen.
  • Information über die Krankheit, Verlauf und Behandlungsmöglichkeiten.
  • Alzheimer Cafés für Angehörige und Betroffene, mit vielen Aussprachemöglichkeiten und Erfahrungsaustausch untereinander
  • Trainingskurse für Angehörige, Fachvorträge von Experten
  • Öffentlichkeitsarbeit um Verständnis und Verbesserungen für die problematische Situation der betroffenen Familien zu erwirken.
  • Die Zusammenarbeit und den fachlichen Austausch mit anderen Alzheimerorganisationen und Interessenspartnern, insbesondere mit Alzheimer Europe und Alzheimer´s Disease International, deren Ansprechpartner die Selbsthilfegruppe seit 1994 in Österreich ist
  • Mitarbeit bei Expertengesprächen im Sozial- und Gesundheitsbereich

Demenzfreundliche Projektkooperationen

  • Demenzfreundliche Apotheken: Die teilnehmenden Apotheken haben es sich zum Ziel gemacht, die Lebensqualität von Menschen mit Demenz und ihrer Angehörigen durch Sensibilsierung, Kommunikationstrainings und Vernetzung mit lokalen Anbietern aus dem Gesundheitsbereich zu fördern. Eine Kooperation mit dem IFF (Fakultät für interdisziplinäre Forschung und Fortbildung der Alpen-Adria Universität Klagenfurt) und den Apothekerkammern von Wien und Niederösterreich.
  • Ehrenamtliche DemenzwegbegleiterInnen: Dieses Projekt unterstützen wir aus der Erfahrung der Mitglieder, dass viele Entlastungsangebote nicht leistbar sind. Eine Kooperation mit der Caritas Socialis beim Projekt.
  • Demenzfreundlicher Bezirk, Wien Landstraße: Verschiedene Anbieter aus dem Gesundheitsbereich aber auch Dienstleister und Gewerbebetriebe haben es sich zur Aufgabe gemacht, die „Landstraße“ demenzfreundlicher zu machen. Vernetzung, Solidarität mit den Betroffenen im öffentlichen Raum und ein niederschwelliges Angebot zur Vermittlung von Wissen rund um das Thema Demenz sind vorrangige Ziele dieses Projekts.

Weiterführende Informationen:

Autorenschaft: Mag. Katharina Tentschert, Publizistin im Bereich Gesundheitskommunikation, in Abstimmung mit Antonia Croy und Monika Natlacen, Leiterin bzw. Vizepräsidentin der Selbsthilfegruppe Alzheimer Austria (Stand: September 2014)