Adipositas

Adipositas (d. h. Fettsucht) ist eine chronische und ernstzunehmende Erkrankung, die unterschiedliche Ursachen haben kann, wie zum Beispiel genetische Faktoren, hormonelle Störungen bzw. Störungen des Hunger- und Sättigungsgefühls.

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Prim. Univ.-Prof. Dr. Mag. Alexander Klaus (Foto: www.bhs-wien.at)

„Ab einem Body-Mass-Index (BMI) von mehr als 30 spricht man von Adipositas“ so Prim. Univ.-Prof. Dr. Mag. Alexander Klaus, Leiter der Abteilung für Chirurgie sowie des Zentrums für interdisziplinäre Adipositas-Therapie am Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern Wien. Aber auch ein deutlich erhöhter Körperfettanteil und der Bauchumfang sind entscheidende Faktoren für den Gesundheitszustand. Adipositas kann gravierende Folgen für die Gesundheit und die Lebensqualität haben – bis hin zu einer verringerten Lebenserwartung.“

 

Ab wann gilt man als adipös?

Wer sehr stark übergewichtig ist, an gewichtsbedingten Zusatzerkrankungen wie Diabetes mellitus, hohem Blutdruck oder Atemfunktionsstörungen leidet bzw. zahlreiche erfolglose Abnehmversuche hinter sich hat, zählt zu den – laut Statistik Austria – rund 860.000 betroffenen Österreichern.

Wie geht es den Betroffenen?

Adipositas hat wenig mit herkömmlichem Übergewicht zu tun. Es ist eine chronische Krankheit, die die Betroffenen ein Leben lang begleitet – auch nach einer Gewichtsreduktion.

„Ein Weg in die Adipositas ist auch das Streben nach dem so genannten Idealgewicht, das von der Gesellschaft und der Werbung vermittelt wird und die Unzufriedenheit mit dem eigenen Körper fördert – neben anderen Faktoren wie z. B. die Genetik“, so Elisabeth Jäger, Präsidentin der Adipositas Selbsthilfegruppe Österreich.„Den Spruch mit ein wenig Wille und Disziplin müsste das Abnehmen doch klappen, können Betroffene nicht mehr hören.“

Extrem übergewichtige Menschen leben mit einem enormen seelischen und körperlichen Leidensdruck. Sie werden im privaten und beruflichen Alltag oftmals diskriminiert und durch unachtsame Aussagen bzw. Beleidigungen tief verletzt.

Wann ist eine Operation eine Therapieoption?

„Ab einem Body-Mass-Index (BMI) von über 40 kg/m2 bzw. von über 35 kg/m2 mit gewichtsbedingten Zusatzerkrankungen wie Diabetes mellitus, Bluthochdruck, orthopädische Erkrankungen etc. kann eine Operation eine zielführende Therapieoption sein“, informiert Prim. Univ.-Prof. Dr. Mag. Alexander Klaus. „Moderne Adipositas-Chirurgie ist ausschließlich eine Aufgabe für Spezialzentren. Die häufigsten Operationsmethoden sind sogenannte Bypassverfahren, die eine Magenverkleinerung mit einer Umgehung unterschiedlich langer Darmabschnitte kombinieren. Hierfür werden Klammernahtinstrumente verwendet, die mit einer sehr hohen Sicherheit Gewebe durchtrennen und gleichzeitig verschließen können. Die Langzeitergebnisse hinsichtlich des Gewichtsverlustes und der Besserung der Begleiterkrankungen sind mehr als überzeugend.“

Warum sind Nahrungsergänzungsmittel wichtig?

Durch einen chirurgischen Eingriff und die damit erzielte Gewichtsreduktion erlangen die Betroffenen eine neue Lebensqualität bzw. gewinnen jene zurück. Gleichzeitig können die Gesundheitsrisiken, die das extreme Übergewicht mit sich bringt, deutlich reduziert werden.

Elisabeth Jäger

„Dennoch muss man im Auge behalten, dass es nach einem chirurgischen Eingriff zu einem Vitamin- und Mineralstoffmangel kommen kann“, warnt Elisabeth Jäger. „Mögliche Hinweise auf einen derartigen Mangel können sein: Probleme mit dem Ein- und Durchschlafen, Konzentrationsstörungen, Depressionen, Haarausfall bzw. brüchige Nägel, oftmaliges Erbrechen oder häufige Infektionskrankheiten, Muskelkrämpfe bzw. -zucken, Kribbeln in den Händen oder in den Beinen, starke Müdigkeit oder Zahnausfall.“

Abhilfe schaffen bedarfsgerechte Nahrungsergänzungsmittel wie Sprays oder Lutschtabletten, die über die Mundschleimhaut aufgenommen werden.

Wer sind die fachlichen Ansprechpartner?

Ansprechpartner sind alle im Gesundheitsbereich Tätigen, die eine fachliche Spezialisierung im Bereich Adipositas haben wie

  • niedergelassene Ärzte
  • Fachärzte für Innere Medizin
  • Fachärzte für Chirurgie
  • Psychologen
  • Diätologen
  • Spezialisierte Krankenhauszentren
  • Selbsthilfegruppen

Weiterführende Informationen

Autorenschaft: Mag. Katharina Tentschert, Publizistin im Bereich Gesundheitskommunikation, in Abstimmung mit Prof. Alexander Klaus, Leiter der Abteilung für Chirurgie sowie des Zentrums für interdisziplinäre Adipositas-Therapie am Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern Wien und Elisabeth Jäger, Präsidentin der Adipositas Selbsthilfegruppe Österreich (Stand: Jänner 2014)