Seelische Unterstützung bei Krebs

 

(Foto: istock)

Die Diagnose Krebs ist für jeden Menschen belastend. Die Therapien werden Dank des medizinischen Fortschritts zwar immer besser auf den einzelnen Menschen abgestimmt, erhöhen dessen Heilungschancen sowie die Lebensqualität. Dennoch beanspruchen sie Körper und Seele. Erkrankte und Angehörige müssen sich an einen veränderten Alltag anpassen.

Im folgenden Gastartikel erläutert Mag. Maria Thaller, wie Psychoonkologen den Erkrankten und deren Familien helfen und welche – zum Teil noch zu wenig bekannte Neuerungen – es für Betroffene nach der Krebstherapie gibt.
Klinische Psychologen/Psychotherapeuten bieten vielfältige Unterstützung:

Menschen, die die Diagnose Krebs erhalten, können bereits im Krankenhaus um ein Gespräch mit einem Psychologen ersuchen. Frühzeitige Kontaktaufnahme mit Psychologen ist hilfreich, um mit auftretenden intensiven Gefühlen besser umgehen zu können und Unterstützung bei der Krankheitsverarbeitung zu erhalten. Psychologische Behandlung zielt weiters auf eine verbesserte Kommunikation über die Krebserkrankung, die Aktivierung von Kraftquellen, die Stärkung von Beziehungen sowie das Wiedererlangen des Vertrauens in den eigenen Körper.

  • Darüber hinaus erhalten Erkrankte u. a. Unterstützung- im Umgang mit Übelkeit, anhaltender Erschöpfung („fatigue“), Schlafproblemen und Schmerzen
  • bei Ängsten und depressiven Zuständen
  • bei psychosozialen Konflikten (z.B. familiären oder beruflichen Problemen)
  • in Krisensituationen
  • im Umgang mit Veränderungen in der Sexualität (ein vielfach schambesetztes, wie die Praxis zeigt, für viele Betroffene ein sehr wichtiges Thema!)

Die psychologische Behandlung wird individuell auf die Bedürfnisse des erkrankten Menschen abgestimmt. Zusätzlich zu entlastenden Gesprächen kann das Erlernen von Entspannungsübungen (bspw. autogenes Training, Imaginationstechniken, Biofeedback) bei regelmäßiger Anwendung Angst, Schmerzen, Übelkeit und Schlafprobleme reduzieren. Patienten können auch von gestalttherapeutischen Angeboten, wie bspw Maltherapie profitieren.

In Fällen großer psychischer Belastung werden Fachärzte (Psychiater) miteinbezogen. Die interdisziplinäre Zusammenarbeit verschiedener Berufsgruppen (Ärzte, Psychologen, Psychotherapeuten, Physiotherapeuten, Pflegepersonen, Diätologen, Seelsorger, Sozialarbeiter) ist bei onkologischen Erkrankungen von zentraler Bedeutung.

Angehörige – helfen und helfen lassen

Angehörige sind eine große Unterstützung für die Betroffenen. Je nach individueller Situation (bisherige Beziehung, Krankheitsverlauf etc.) kann die Belastung für nahestehende Personen groß werden. Daher ist es wichtig, dass diese auf sich selbst achten, Hobbies weiter pflegen und ihre eigenen Grenzen erkennen. Spätestens wenn Erschöpfungszustände, Schlafprobleme etc. auftreten, sollten Angehörige daran denken, sich Unterstützung zu holen, bspw in Form von psychologischen Gesprächen.

Kinder altersentsprechend über Krebs informieren

Kinder über eine ernsthafte Erkrankung eines Familienmitgliedes zu informieren, ist keine leichte Aufgabe, aber wichtig. Kinder spüren atmosphärisch, wenn etwas Wichtiges in der Familie nicht stimmt. Sie merken, wenn es einem Elternteil nicht gut geht und dieser häufig weg ist. Sie werden verunsichert, wenn sie falsche Informationen erhalten. Daher sollte man sie altersentsprechend über die Erkrankung eines Familienmitgliedes informieren. Ebenso sollten Kindergarten und Schule über die Krebserkrankung Bescheid wissen, um bei Verhaltensauffälligkeiten, Leistungsrückgang etc. nicht zusätzlich Druck auf das Kind auszuüben, sondern Unterstützung und Verständnis geben zu können.

Was kommt nach der Krebstherapie? Wissenswertes bezüglich Onkologischer Rehabilitation und Wiedereingliederungsteilzeitgesetz für Berufstätige

Es ist noch viel zu wenig bekannt, dass es seit einigen Jahren in Österreich eine spezielle onkologische Rehabilitation gibt, damit Betroffene nach einer Krebstherapie wieder Kraft für die Rückkehr in den Alltag/Beruf tanken können. Die Krebshilfe listet aktuell 8 onkologische Rehabilitationszentren und 2 ambulante onkologische Einrichtungen in Österreich auf.

Das Reha-Programm wird auf den jeweiligen Patienten abgestimmt und dauert 3-4 Wochen. Ein Antrag kann nach erfolgter Therapie gleich im Krankenhaus oder über den Hausarzt erfolgen und ist dann bei der zuständigen Sozialversicherung einzureichen.

Am diesjährigen Kongress der Gesellschaft zur Erforschung onkologischer rehabilitativer Grundlagen (GEORG) wurde u.a. die Bedeutung moderater körperlicher Bewegung auch während einer Chemotherapie (natürlich in Rücksprache mit dem Arzt!) betont.

Seite Juli 2017 gibt es für Menschen mit einer Krebserkrankung das Wiedereingliederungsteilzeitgesetz, um Betroffenen nach langer Krankheit den Wiedereinstieg ins Berufsleben zu erleichtern. -> weiterlesen

Psychoonkologische Unterstützung auf dem Prüfstand

Mag. Maria Thaller (Foto: Fotostudio Lilly)

Wissenschaftliche Studien belegen die Effektivität psychoonkologischer Interventionen. Diese reduzieren nachweislich Angst, Depression und Stress und verhelfen zur Verbesserung der Lebensqualität und der sozial-kommunikativen Probleme.

Das Angebot an psychologischen Unterstützungsmöglichkeiten für Menschen mit einer Krebserkrankung und deren Angehörigen ist groß. Während Spitalspsychologen v.a. während des stationären Aufenthalts für die Betroffenen da sind, gibt es unabhängig davon Beratungsstellen der österreichischen Krebshilfe in allen Bundesländern. In freier Praxis stehen Klinische Psychologen/Psychotherapeuten den Erkrankten auch nach Abschluss einer Krebstherapie, wo nicht selten Rezidivängste auftreten, zur Verfügung. Betroffene entscheiden selbst, was für Sie passend ist und werden von erfahrenen Psychologen/Psychotherapeuten einfühlsam begleitet.

Mag. Maria Thaller ist Klinische Psychologin und Gesundheitspsychologin. Sie hat am Aufbau der Onkologie und Palliativstation im Krankenhaus Oberwart mitgewirkt. Derzeit ist sie in freier Praxis in Wien-Mariahilf tätig.

(Stand: Oktober 2018)