Neue Haarpracht

Der Verein Haarfee verhilft Kindern, die krankheitsbedingt ihre Haare verloren haben, zu einer Echthaarperücke – und damit zu einer neuen Lebensqualität und –freude. Vereinsgründer Yochai Mevorach erzählt, was es bedeutet, einem Kind ein Lächeln zu schenken.

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Haarfee (Foto: Bubu Dujmic)

Das Ambiente ist großzügig und sehr stylisch. Man sieht viele Spiegel, davor sitzen Menschen, die prüfend auf ihre Haarpracht blicken oder bereits zufrieden durch die frisch geschnittenen, gefärbten oder gestylten Haare fahren. Auf den ersten Blick scheint der Salon folgeeins von Athena Wolph im 7. Wiener Gemeindebezirk, nahe der Mariahiferstraße, ein ganz normaler, trendiger Friseursalon zu sein. Doch weit gefehlt, hier hat der Verein Haarfee seine Zentrale.

Was es in vielen europäischen Ländern, den USA oder Kanada bereits gibt, ist in Österreich bis dato einzigartig: Der gemeinnützige Verein Haarfee stellt seit Jänner 2013 für Kinder aus finanziell schwachen Familien, die in Folge einer Chemotherapie, schweren Verbrennungen oder der Krankheit Alopecia Areata ihre eigenen Haare verloren haben, maßgeschneiderte Echthaarperücken her.

Ein Stück Lebensglück zurückgeben

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„Das schönste ist das Lächeln der Kinder zu sehen, wenn sie ihre Echthaarperücke bekommen“, so Karin Dopplinger. (Foto: Bubu Dujmic)

„Der Verlust der Haare macht die Krebserkrankung für die meisten Patientinnen und Patienten nach außen hin erst sichtbar“, so Anita Kienesberger, Geschäftsführerin Österreichische Kinder-Krebs-Hilfe. „Vor allem viele Jugendliche leiden sehr unter dem Verlust, da das Aussehen in diesem Alter für viele eine wahnsinnig wichtige Rolle spielt – es sind nicht nur Haare, die verloren werden, es geht vielmehr um Selbstakzeptanz, Selbstbewusstsein und den Wunsch, attraktiv zu sein. Die Haarfee leistet für die betroffenen Kinder und Jugendlichen mit ihrer Arbeit einen besonders wichtigen Beitrag – die Echthaarperücken verschaffen den Kindern in der Zeit, bis die eigenen Haare wieder nachwachsen, ein Gefühl von Sicherheit und ein Stückchen Normalität.“

Eine maßgeschneiderte, perfekt sitzende Echthaarperücke, lässt keinen Unterschied zum echten Haar erkennen und ist absolut alltagstauglich. „Für die Herstellung einer Echthaarperücke werden durchschnittlich fünf Zöpfe benötigt und Geldspenden, um die Perücke herzustellen“, informiert der seit 20 Jahren als Frisör tätige Vereinsgründer Yochai Mevorach.

Sich trauen, etwas zu tun

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Überglücklich: Michelle mit ihrer Echthaarperücke.  (Foto: Bubu Dujmic)

„Alles ist möglich“, so die Aufforderung von Yochai Mevorach an all´ diejenigen, die schon immer vor hatten etwas zu tun, um anderen zu helfen, und sich einfach nicht trauen. „Es gibt so viel zu tun und man soll sein Herz offen haben für andere. Ich bin ein gesunder Mensch, habe eine gute und liebevolle Familie. Das Leben hat mich so reich beschenkt. Aus Dankbarkeit dafür, wollte ich etwas zurückgeben.“

„Das schönste ist das Lächeln der Kinder zu sehen, wenn sie ihre Echthaarperücke bekommen“, so Friseurinnungsmeisterin Karin Dopplinger.Als Yochai Mevorach noch in Amsterdam gelebt und gearbeitet hat, ist er zum ersten Mal auf das Konzept „Haarspende für eine Echthaarperücke“ aufmerksam geworden, als eine Kundin, einen Termin bei ihm abgesagt hat mit den Worten: „Ich möchte meine Haare spenden.“ Dieser Satz war die Initialzündung für die Gründung des Vereins Haarfee in Österreich. „Zuerst habe ich nur Zöpfe gesammelt und jene an die Organisationen weitergeleitet,“ erzählt der Vereinsgründer. „Jeder, dem ich von der Idee erzählt habe, war aber so begeistert und da habe ich mir die Frage gestellt: Soll ich das nicht auch in Österreich machen?“

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Anita Kienesberger, Michelle, Yochai Mevorach (Foto: Bubu Dujmic)

Die Idee ist gewachsen: Bisher wurden über 100 Zöpfe gespendet und 22 Perücken in Auftrag gegeben. Die erste Echthaarperücke hat die 15-jährige Michelle bekommen, und mit ihr ein neues Lächeln. „Gerade bei Jugendlichen leidet die Seele beim Verlust der Haare ganz besonders. Man möchte genauso wie die Schulfreunde ein bisschen mit den Haaren experimentieren und sein Styling ändern können. Dies ist nur mit Echthaarperücken möglich. Bei unseren Kollegen liegen oft abgeschnittene Zöpfe rum. Hier finden Sie eine sinnvolle Verwendung. Jeder Zopf zaubert ein Kinderlächeln“, so die Friseurinnungsmeisterin Karin Dopplinger.

Wie man das Projekt unterstützen kann

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„Das war mein schönster Moment, als Michelle zum ersten Mal gestrahlt hat“, so Yochai Mevorach. (Foto: Bubu Dujmic)

  • Als Kundin bzw. Kunde: Wer seine Haare spendet, bekommt einen günstigeren bzw. kostenlosen Haarschnitt bei einem der Partner-Friseure. Sie können Ihren Zopf aber auch an die Haarfee schicken. Die Länge der abgeschnittenen Haare sollte mindestens 25cm betragen und auch bereits vor Jahren abgeschnittene Spenden nehmen wir dankend an. Generell eignet sich unbehandeltes Haar am besten, wobei auch Tönungen in den meisten Fällen kein Problem darstellen. Gebleichtes Haar können wir leider nicht annehmen, da es zu strapaziert ist.
  • Als Friseurin bzw. Friseur: Machen Sie mit! Lassen Sie sich mit Ihrem Salon in die Liste der unterstützenden Friseur-Studios eintragen. Denn das Ziel der Haarfee ist es, die größtmögliche Vielfalt an Perücken herzustellen, um den Kindern langfristig eine große Auswahl bieten zu können. Um dieses Ergebnis erreichen zu können, braucht der Verein so viel Naturhaar wie möglich.
  • Als ein vom Projekt begeisterter Mensch: um die großzügigen Haarspenden verarbeiten zu können – aus jeweils ca. 5 Zöpfen wird eine hochwertige und naturgetreue Perücke – ist der Verein dringend auf Geldspenden angewiesen. Yochai Mevorach „Wir könnten schon viele weitere Perücken produzieren lassen, wenn uns die Menschen auch auf der finanziellen Ebene stärker unterstützen würden, um den betroffenen Familien die Perücken kostenlos zur Verfügung stellen zu können.“

„Dieses Projekt ist eine absolute Herzensangelegenheit“, resümiert Yochai Mevorach, Vereinsobmann und Gründer der Haarfee. „Haare sind Teil unseres Selbst und durch den Haarverlust leidet oftmals auch das Selbstwertgefühl der Kinder. Es bedeutet mir viel, den Betroffenen mit Hilfe einer Echthaarperücke ein Stück Lebensfreude zurückgeben zu können.“

Weiterführende Informationen

Verein Haarfee

Autorenschaft: Mag. Katharina Tentschert, Publizistin im Bereich Gesundheitskommunikation, in Abstimmung mit Yochai Mevorach, Vereinsobmann und Gründer der Haarfee, Karin Dopplinger, Friseurinnungsmeisterin, und Anita Kienesberger, Geschäftsführerin Österreichische Kinder-Krebs-Hilfe.  (Stand: Oktober 2014)