Weiblicher Herzinfarkt

(Foto: istock, Simon Ingate, iStock)

Überlebenswichtig: Wissen, welche Symptome den weiblichen Herzinfarkt ankündigen, und sofort den Notarzt rufen. Dr. Wolfgang Machat informiert über die typischen Anzeichen, die oftmals falsch gedeutet werden.

Der Herzinfarkt ist keine reine Männersache. Fast jede zweite Frau in Österreich stirbt an einer Herz-Kreislauf-Erkrankung.1) Was das Gefährliche daran ist: Der Herzinfarkt kündigt sich bei Frauen anders an als bei Männern. „Und das ist vielen Frauen nicht bewusst“, erklärt Dr. Wolfgang Machat, der seit 26 Jahren als Notarzt im Einsatz ist, im Interview.

Was sind die typischen Anzeichen – Mann versus Frau?

Das Leitsymptom des Herzinfarkts ist der Brustschmerz, der meist in die linke Schulter bzw. in den Rücken ausstrahlt. Dann kommen Rückenschmerzen, Atemnot, Kaltschweißigkeit und Blässe dazu. Diese Symptome treten in voller Stärke und hoch akut auf – innerhalb von wenigen Minuten. Das ist das typische Erscheinungsbild des Herzinfarktes beim Mann. Bei Frauen treten hingegen in nur ca. 1/3 der Fälle ähnliche Beschwerden auf. Der überwiegende Großteil der Frauen leidet unter Übelkeit, Atemnot, Schwäche und Oberbauchschmerz. Wobei die Beschwerden oft nur langsam zunehmen.

Warum rufen Frauen erst später als Männer den Notarzt?

Die Problematik dabei ist, dass Oberbauchschmerzen und Übelkeit mit Darm- und Magenbeschwerden assoziiert werden; Müdigkeit mit Überlastung und Atemnot mit Bronchitis verwechselt werden. Aus diesen Beschwerden werden oft die falschen Schlüsse gezogen. Erst wenn die Symptome zunehmen und schlimmer werden, wird der Notarzt gerufen; und das ist – laut Studien – oft ein bis zwei Stunden später als bei männlichen Patienten. Somit kommen Frauen auch später ins Spital als Männer.

Was bedeutet das für die betroffenen Frauen?

healthBOXnews_Machat_Wolfgang

Dr. Wolfgang Machat (Foto: privat)

Einer der größten medizinischen Fortschritte der letzten zehn Jahren ist die PTCA – die perkutane transluminale coronare Angiographie. Das heißt, man führt einen Katheter in die Leistenarterie ein, schiebt ihn bis zu den Herzkranzgefäßen vor und stellt diese durch ein Röntgenkontrastmittel dar. Somit sieht man wo der Verschluss ist und kann diesen auflösen oder die Verengung weiten und stützen (Stent). Das dahinter liegende Gewebe, das noch vor 10 bis 15 Jahren bleibend geschädigt gewesen wäre, wird wieder durchblutet und ist gesund. Das ist entscheidend für die weitere Lebensqualität der Betroffenen. Früher waren Menschen nach einem Myokardinfarkt dauerhaft herzgeschädigt. Schon nach geringer Belastung musste oft pausiert werden, weil Herzmuskelgewebe irreversibel zugrunde gegangen war.

Aus diesem Grund ist es so wichtig, dass die Zeit zwischen dem Beginn der ersten Beschwerden und der Angiographie möglichst kurz gehalten wird. Man spricht von der goldenen ersten Stunde. Das heißt: Eine schnelle Diagnose und eine schnelle  PTCA sind für das weitere Schicksal entscheidend.

Welche Risikofaktoren gibt es bei Frauen?

Rauchen erhöht das Herzinfarktrisiko einer Frau um das Vierfache; Rauchen in Kombination mit der Einnahme der Pille sogar um das 10- bis 20-Fache. Nach dem Wechsel ist das Risiko von Gefäßverkalkungen erhöht. Aus diesem Grund erleiden Frauen ca. 10 bis 15 Jahre später als Männer einen Herzinfarkt.

Was sollen Betroffene im Anlassfall beherzigen?

  • Wenn bei Frauen die oben beschriebenen Symptome auftreten, dann rufen Sie bitte sofort die Rettung unter 144 oder der entsprechenden Notrufnummer. Denn bei Frauen treten diese Beschwerden weitaus häufiger auf als der typische Brustschmerz.
  • Während Sie auf die Rettung warten, bleiben Sie nicht alleine. Gehen Sie zu einer Nachbarin, Kollegin oder, wenn Sie unterwegs sind, in ein Lokal. Erzählen Sie, was passiert ist und dass Sie auf die Rettung warten.
  • Anwesende sollen bei Bewusstlosigkeit der Betroffenen sofort mit den Erste-Hilfe-Maßnahmen anfangen.

Quelle: 1) Österreichischer Herzverband, www.herzverband.at

Autorenschaft: Mag. Katharina Tentschert, Publizistin im Bereich Gesundheitskommunikation, in Abstimmung mit Dr. Wolfgang Machat, Notarzt (Stand: Jänner 2014)