Mobbing in der Schule

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(Foto: Shutterstock, Wavebreakmedia)

Auch „bullying“ genannt, ist die systematische Ausgrenzung und Erniedrigung eines anderen Menschen über einen längeren Zeitraum, wobei ein Machtungleichgewicht zwischen den Beteiligten besteht.

Ein Gastartikel von Mag. Maria Thaller

Die Mobbingrate an Österreichs Schulen ist im Vergleich zu anderen Ländern sehr hoch. Einer Untersuchung in den OECD-Ländern zufolge sind in Österreich 21 % der Buben im Alter von 11 bis 15 Jahren Mobbingopfer (OECD-Durchschnitt: 11 %), Mädchen sind zu rund 14 % betroffen.

Mobbing findet auch von Lehrern gegenüber Schülern statt, aber auch Lehrer werden von Schülern gemobbt.

Formen von Mobbing

  • Körperlich: z. B. stoßen, an den Haaren reißen
  • Verbal: z. B. beschimpfen, bedrohen, „hänseln“
  • Beziehungsgewalt: z. B. Gerüchte verbreiten, ausgrenzen
  • Cybermobbing (im Schulbereich auch Cyberbullying genannt) ist das Mobbing mit neuen Medien (Handy, Internet).

Buben neigen eher zu körperlicher Gewalt, während Mädchen häufig Beziehungsgewalt anwenden. Gerade letztere wird oft nicht als Gewalt erkannt. Es bedarf einer entsprechenden Sensibilisierung der Lehrkräfte.

Cyermobbing hört nicht nach der Schule auf

Cybermobbing hört im Gegensatz zu anderen Mobbingformen nicht nach der Schule auf, sondern geht rund um die Uhr weiter. Die Inhalte verbreiten sich extrem schnell. Cybermobbing kann als die „Spitze des Eisbergs“ bezeichnet werden: Laut Studien sind fast alle Jugendlichen, die in Gewalt mit neuen Medien involviert sind, auch als Täter und/oder Opfer in traditionelles Mobbing verwickelt.

Anzeichen von Mobbing

Diese sind sehr unterschiedlich und reichen von Schulangst, Schulschwänzen, Kopf- und Bauchschmerzen bis hin zu Konzentrationsproblemen, Verhaltensänderungen und Leistungsrückgang.

Verhaltenstipps für Kinder, die gemobbt werden

  • sich Unterstützung in der Klasse zu suchen („nette Mitschüler“).
  • mit einer Vertrauensperson darüber sprechen (Eltern, Lehrer)
  • ein Mobbingtagebuch führen (Datum, Zeit, beteiligte Mitschüler, Art der Gewalt, persönliche Reaktion und Folgen aufzeichnen)
  • mit Vertrauenspersonen neues Verhalten besprechen und ausprobieren

Rat an Eltern

Kinder schämen sich sehr, gemobbt zu werden und leiden oft lange, bevor sie sich jemandem anvertrauen. Wenn Eltern merken, dass sich ihr Kind verändert, sollten sie offen mit ihm darüber sprechen. Es sollte ein Gespräch mit dem Lehrer/der Schulleitung gesucht werden.

Es ist wichtig, den Selbstwert des Kindes stärken (Förderung spezieller Begabungen). Mit dem Kind neues Verhalten auszuprobieren, ist hilfreich, um weniger Angriffsfläche zu bieten. Nicht leiden, sondern Unterstützung von Psychologen holen, um Geschehenes aufzuarbeiten und Strategien zu entwickeln, die „Opferrolle“ zu verlassen.

Langfristige negative Folgen von Mobbing

Opfer leiden häufig an Ängsten und Depressionen, Täter zeigen überdurchschnittlich häufig antisoziales Verhalten und werden straffällig. Aber auch für jene Schüler, die zusehen, aber nicht eingreifen, hat Mobbing langfristig negative Folgen. Sie werden als Erwachsene kaum Zivilcourage zeigen.

Anlaufstellen und weitere Informationen

Experten, wie Schulpsychologen, auf diese Thematik spezialisierte Klinische Psychologen und Gesundheitspsychologen, Sozialarbeiter, Polizei – rechtliche Folgen etc., bieten allen Schulpartnern professionelle Unterstützung.

Mag. Maria Thaller ist Klinische Psychologin und Gesundheitspsychologin. Die zweifache Mutter lebt und arbeitet in Wien. (Stand: Mai 2015)