HPV-Schutzimpfung

„Seit Feber 2014 gibt es die kostenlose Impfung gegen HPV (Humane Papilloma Viren) für die 9- bis 12-Jährigen bei den öffentlichen Impfstellen und Kinderärzten sowie vergünstigte Catch-up-Impfungen bis zum vollendeten 15. Lebensjahr“, informiert die Kinderärztin Dr. Katrin Loranth im Interview.

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(Foto: Thinkstock, dolgachov, iStock)

Wie oft tritt Gebärmutterhalskrebs in Österreich auf?

Pro Jahr gibt es rund 60.000 auffällige Abstriche des Gebärmutterhalses (sog. Cervixabstrich) in Österreich, laut Statistik Austria. Was zur Folge hat, dass bei rund 6.000 Frauen eine Konisation (d. h. Operation am Gebärmutterhals) durchgeführt werden muss.

Diese Operation kann das Frühgeburtenrisiko auf das Dreifache erhöhen und in Folge auch die Säuglingssterblichkeit. Gebärmutterhalskrebs tritt bei ca. 400 Frauen pro Jahr auf, wobei 150 bis 180 Patientinnen daran versterben. Weiters erkrankt jeder zehnte Österreicher im Laufe seines Lebens an Genitalwarzen. (Anm.: Genitalwarzen oder Kondylome/Feigwarzen genannt, ist eine Virusinfektion und die am häufigsten sexuell übertragene Erkrankung.)

Warum sollen Eltern ihre Töchter, aber auch Söhne impfen lassen?

Die Impfung schützt gegen die HPV-Stämme 16 und 18. Diese Stämme verursachen rund:

  • 70% aller Gebärmutterhalskarzinome
  • 70% aller HPV-assoziierten Vulva- und Vaginalkarzinome und deren Vorstufen
  • 90% der Analkarzinome und deren Vorstufen
  • einen Großteil der Karzinome im Rachen.
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Dr. Katrin Loranth (Foto: Wilke)

 

Der Vierfach-Impfstoff enthält auch die HPV-Stämme 6 und 11 und schützt somit Mädchen und Buben zu 90% vor Genitalwarzen.
Mit einer Impfung schützt man nicht nur das eigene Kind, sondern mit Hilfe der Impfung kann die Infektionskette rasch durchbrochen werden, was zu einer Reduktion der Erkrankungsfälle im Allgemeinen führt.

In welchem Alter ist die Impfung empfehlenswert?

Den größten Nutzen und die beste Wirkung hat die Impfung, wenn vor der ersten sexuellen Aktivität immunisiert wird. Ein reduziertes Impfschema bis zum vollendeten 12. Lebensjahr mit 1+1 (d. h. Grundimmunisierung und Auffrischung nach 6 Monaten) bietet einen ausreichenden Schutz. Ab dem vollendeten 12. Lebensjahr wird das übliche Impfschema 2+1 (d. h. Grundimmunisierung und eine Auffrischung nach 1 und dann noch nach 6 Monaten) empfohlen.

Welche Bedenken von Elternseite gegen die Impfung kennen Sie aus Ihrer Praxis?

Die Abwägung von Nutzen versus Risiko steht im Aufklärungsgespräch mit den Eltern natürlich im Vordergrund. Grundsätzlich gilt die Impfung aber als gut verträglich: Bei den weltweit über 170 Millionen verabreichten Dosen hat sich lediglich einen lokale Reaktion an der Impfstelle und eine Neigung zu Kollaps gezeigt.

Sie sind selbst Mutter von zwei Kindern? Werden Sie Ihre Kinder im dementsprechenden Alter auch impfen?

Natürlich.

Kontakt

Dr. Katrin Loranth

Autorenschaft: Mag. Katharina Tentschert, Publizistin im Bereich Gesundheitskommunikation, in Abstimmung mit Dr. Kathrin Loranth, Kinderärztin (Stand: Mai 2014-März 2016)