Diesmal geht alles gut

Zuversichtlich in die nächste Schwangerschaft: Wenn rund um die vorige Geburt Belastendes erlebt wurde, gehen Frauen oft nicht mehr unbeschwert in oder durch die nächste Schwangerschaft. Dann ist es besonders wichtig, die Zuversicht zu stärken und die Bedingungen rund um Schwangerschaft und Geburt sorgsam zu wählen.

Ein Gastartikel von Angelika Markom

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(Foto: Thinkstock, oneblink-cj, iStock)

„Diesmal soll es unbedingt ohne Kaiserschnitt gehen“, hofft Andrea*, deren Sohn durch eine ungeplante Schnittentbindung das Licht der Welt erblickt hat.

Wer Klaras* Geburtsbericht liest, könnte vermuten, dass sie eine „Traumgeburt“ erlebt hat. Doch Klara hat die Geburt als traumatisch empfunden, war überwältigt von der Intensität der Schmerzen, fühlte sich ohnmächtig und den Geburtshelfern hilflos ausgeliefert. Nun, ein paar Wochen vor der Geburt ihres zweiten Kindes, kommen alle diese Erinnerungen wieder hoch.

Tamara* weiß noch nicht, ob sie sich über eine weitere Schwangerschaft „drübertraut“. Ihre erste Schwangerschaft war von Anfang an kompliziert, es waren mehrere Krankenhausaufenthalte notwendig, und schließlich kam ihr Kind sieben Wochen zu früh zur Welt. Die Befürchtung, dass sich die Situation wiederholen könnte, ist groß.

Sorgen um das Wohl des Kindes oder über die bevorstehende Geburt machen sich viele werdende Mütter zu irgendeinem Zeitpunkt der Schwangerschaft. Wenn eine Frau jedoch belastende Vorerfahrungen rund um ihre vorige Geburt gemacht hat, erlebt sie ihre Ängste oft als massiver. Manchmal ist die Angst so groß, dass der Kinderwunsch lange aufgeschoben wird oder für immer unerfüllt bleibt. Doch was kann betroffenen Frauen bzw. Elternpaaren helfen?

Die Zuversicht stärken

Gerade wenn Ängste im Vordergrund stehen, ist es wichtig, bewusst die eigene Zuversicht zu stärken. Möglichkeiten dazu sind beispielsweise

  • Auf Bewährtes zurückgreifen: Was hat mir bisher in schwierigen Situationen Kraft gegeben? Was tut mir gut? Wie kann ich Tätigkeiten oder Rituale, die mich stärken, möglichst gut in meinen Alltag einbauen.
  • Sich mit positiven Erfahrungen anderer „stärken“ und „Horrorgeschichten“ meiden: Stärkende Berichte lassen sich etwa bei Hebammen erfragen, zum Thema Geburt ist das Buch „Die selbstbestimmte Geburt“ von Ina May Gaskin empfehlenswert. Umgekehrt ist es legitim, während der Schwangerschaft Menschen zu stoppen, die beängstigende Erzählungen loswerden möchten. Auch das Forschen im Internet ist oft ungünstig, da die Informationen nicht gefiltert werden können.
  • Ungünstige Denkmuster durchbrechen: Wenn entmutigende Gedanken immer wieder durchbrechen, ist es möglich, diesen entgegenzuwirken – etwa indem ich mir immer wieder positive Sätze vorsage wie z.B. „Diesmal geht es gut!“
  • Ruheinseln schaffen: Gerade wenn die Belastung im Alltag groß ist, ist es wichtig, sich immer wieder Zeit für Ruhe und Rückzug zu verschaffen.

Kontakt zum Kind

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Angelia Markom (Foto: Schwarzenberg)

Gerade um die Zuversicht zu stärken, ist es hilfreich, von Anfang an in den Kontakt zum Baby zu gehen. Die meisten Mütter sprechen immer wieder laut oder leise mit ihrem Baby. Auch ein Baby-Tagebuch zu führen oder Briefe ans Baby zu verfassen, kann dabei helfen, einen besseren Kontakt zum Ungeborenen zu bekommen – ebenso wie Tätigkeiten, die bewusst für und mit dem Baby getan werden, etwa „gemeinsam“ tanzen oder Musik hören.

Eine besondere Möglichkeit zur Kontaktaufnahme bietet die Bindungsanalyse. Diese angeleitete Form der Beziehungsarbeit zwischen Mutter und Baby ist zwar aufwändig, wird aber gerade für Mütter, die belastende Vorerfahrungen in die Schwangerschaft mitbringen, besonders empfohlen.

Bedingungen wählen

Viele Bedingungen rund um Schwangerschaft und Geburt sind (einigermaßen) frei wählbar. Der Geburtsort kann ausgesucht werden, manchmal steht die Entscheidung zwischen einem Kaiserschnitt und einem vaginalen Geburtsversuch an.

Vielfach besteht auch die Möglichkeit, eine eigene Hebamme bei der Geburt dabei zu haben. Die Kosten dafür müssen zwar meist selbst bezahlt werden, doch die Eins-zu-Eins Betreuung, die die eigene Hebamme im Unterschied zur Krankenhaushebamme anbieten kann, verbessert nachweislich den Geburtsverlauf (die Schmerzwahrnehmung ist geringer, medizinische Interventionen werden seltener benötigt etc.).

So manche Entscheidung wird bereits in der Schwangerschaft getroffen: Fühle ich mich beim Facharzt/der Fachärztin wirklich wohl oder möchte ich wechseln? Welche Methoden der pränatalen Diagnostik möchte ich nutzen? Möchte ich mich bereits während der Schwangerschaft begleiten lassen, etwa durch eine Hebamme, durch Begleitungsangebote in Eltern-Kind-Zentren oder ähnliches?
Es tut gut, derartige Entscheidungen selbstbestimmt zu treffen – gerade wenn die vorige Geburt oder auch Schwangerschaft als belastend erlebt wurde. Denn durch das Einholen von Informationen und die klare Entscheidung für den eigenen Weg gestaltet die Frau, das Elternpaar den Weg durch Schwangerschaft und Geburt bewusst und eigenverantwortlich.

Weiterführende Informationen

Angelika Markom ist Psychologin und Sozialarbeiterin, selbst Mutter von zwei Kindern und Autorin des Buches „Diesmal geht alles gut. Zuversichtlich in die neue Schwangerschaft“. Sie arbeitet im Nanaya, einem Zentrum für Schwangerschaft, Geburt und Leben mit Kindern. (Stand: Oktober 2014)

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