Baby-Blues

Was tun, wenn sich das Mutterglück nicht einstellen will und der Alltag von Selbstzweifel und Antriebslosigkeit bestimmt wird? Und was, wenn sich aus ein paar Tagen Baby-Blues eine postpartale Depression entwickelt. Wie Mütter aus dieser emotional belastenden Spirale herauskommen können, verrät Claudia Versluis.

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Rund 75 % der Wöchnerinnen sind vom Babyblues betroffen. (Foto: Thinkstock, inarik, iStock)

Stimmungsschwankungen, Gefühl der Überbelastung und Leere: „Eigentlich sollte ich doch glücklich sein?! Und doch bin ich es nicht!“ Fast jede 6. Frau entwickelt eine Postpartale Depression.

Rund 75 % der Wöchnerinnen sind vom Babyblues betroffen, weis Claudia Versluis, Leiterin von Nanaya, Zentrum für Schwangerschaft, Geburt und Leben mit Kindern in Wien. Doch wann spricht man vom Baby-Blues und ab wann handelt es sich um eine postpartale Depression, bei deren Bewältigung eine fachliche Unterstützung notwendig ist?

Ähnlich dem prämenstruellen Syndrom

Ein Abfall des Gelbkörperhormons, die Folgen eines Kaiserschnittes, die Belastung einer spontanen Geburt bzw. die Erwartung an das Mutter-Sein: Es gibt viele Gründe für den so genannten Baby-Blues, der auch als „Heultage“ bezeichnet wird. (d. h. Eine leichte Form des Stimmungstiefs im Wochenbett. Die Anzeichen dafür können sein: scheinbar grundloses Weinen, Ungeduld und Angstgefühle.) Der Baby-Blues dauert meist ein paar Tage und geht dann scheinbar wie von selbst wieder weg. „Darauf werden die werdenden Eltern in unseren Geburtsvorbereitungskursen aufmerksam gemacht“, informiert Claudia Versluis.

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Claudia Versluis, Leiterin von Nanaya, Zentrum für Schwangerschaft, Geburt und Leben mit Kindern in Wien (Foto: Nanaya)

„Aus dem Baby-Blues kann sich aber auch eine postpartale Depression entwickeln“, weis die gelernte Krankenschwester mit 16-jähriger Berufserfahrung auf gynäkologischen, Wochenbett- und präpartalen Stationen sowie ausgebildet in Pre- und Perinataler Geburtsverarbeitung für Babys und Erwachsene sowie Craniosacrale Biodynamic und Bindungsanalyse.

„Eine postpartale Depression kann sich aber auch erst Monate nach der Geburt, innerhalb des ersten Lebensjahres des Kindes, einstellen. Beispielsweise kann eine individuell traumatisch empfundene Geburt ein Auslöser sein. Die Mutter hängt in einer Gedanken-Schleife fest und kommt aus eigener Kraft da nicht mehr heraus.“

Mögliche Hinweise auf eine postpartale Depression können sein:

  • Antriebslosigkeit
  • Vermehrte Nahrungsaufnahme mit Tendenz zu Junk Food und Süßigkeiten -> Gewichtszunahme
  • Niedergeschlagenheit
  • Ängste
  • Schlaflosigkeit
  • Überforderung
  • Selbst-Isolation zu Hause
  • Alltag (Einkaufen etc.) kann nicht gemeistert werden
  • Verlust des Selbstvertrauens

Wenn diese Anzeichen den Zustand der Mutter bestimmen und länger als 2 Wochen andauern sowie innerhalb des 1. Lebensjahres des Kindes auftreten, rät Claudia Versluis zu einer fachlichen Beratung. Hier sind die Angehörigen gefordert, etwas zu tun. Denn eine postpartale Depression ist ein schleichender Prozess, den die betroffene Frau oft selbst gar nicht wahrnimmt. Sie ist in einer emotionalen Spirale gefangen, die sich nach unten dreht und aus der sie ohne fremde Hilfe nicht mehr herauskommen kann.

Tipps für Angehörige und Freunde

  • Bitte vergessen Sie nicht: Frauen, die unter einer postpartalen Depression leiden, können selbst keine Hilfe holen, weil sie in der Depression gefangen sind.
  • Bringen Sie der betroffenen Mutter Mitgefühl und Verständnis entgegen.
  • Wenn Sie den Verdacht auf eine postpartale Depression haben, dann bieten Sie aktiv Hilfe an.
  • Gehen Sie auch zu Beratungsstellen mit.
  • Unter weiterführende Informationen finden Sie eine Auswahl an Beratungsstellen und Broschüren.

Weiterführende Informationen und Broschüren-Download

Autorenschaft: Mag. Katharina Tentschert, Publizistin im Bereich Gesundheitskommunikation, in Abstimmung mit Claudia Versluis, Krankenschwester und ausgebildet in Pre- und Perinataler Geburtsverarbeitung für Babys und Erwachsene sowie Craniosacrale Biodynamic und Bindungsanalyse. (Stand: August 2014)