Pubertät – Loslassen und Rückhalt geben

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Im folgenden Artikel werden Anregungen gegeben, wie Eltern ihre Kinder gut durch die stürmischen Zeiten der Veränderungen des Jugendalters begleiten können. Überdies sollen die Bezugspersonen der Jugendlichen sensibilisiert werden, dass in dieser Altersstufe vermehrt psychische Erkrankungen auftreten können und frühzeitige professionelle Unterstützung wichtig ist.

Ein Gastartikel von Mag. Maria Thaller ist Klinische Psychologin und Gesundheitspsychologin.

Einleitend sollen zwei Begriffe geklärt werden: Pubertät und Adoleszenz.

  • Die Pubertät ist Teil der Adoleszenz und eine Übergangsphase, v. a. in der geschlechtlichen Entwicklung. Sie beginnt im Allgemeinen bei Mädchen um zwei Jahre früher als bei Burschen.
  • Der Begriff Adoleszenz bezieht sich auf einen längeren Zeitraum, und zwar vom 11.-21. Lebensjahr, also von der späten Kindheit bis zum jungen Erwachsenenalter. Neben der körperlichen Veränderung wird auch die psychosoziale Entwicklung berücksichtigt.

Die körperlichen Veränderungen verändern auch das Bild von sich selbst und verunsichern oft. Jugendliche leiden häufig unter Stimmungsschwankungen, sperren sich ins Zimmer ein, haben Geheimisse vor den Eltern und werden nicht selten beim Lügen ertappt. Zu all dem ist oft Lernunlust und schulischer Leistungsrückgang zu beobachten.

Die Abgrenzung zu den Eltern und der Kontakt mit Gleichaltrigen über den Schulalltag hinaus werden allmählich immer wichtiger. Die Akzeptanz des eigenen Körpers und das Einfinden in die Geschlechterrolle sind zentrale Themen des Jugendalters und entscheidend für eine gesunde Entwicklung der Persönlichkeit.

Tipps für Eltern

  • Öffnen Sie Ihr Zuhause für die Freunde Ihres Kindes. Wenn Sie etwas stört, beschreiben Sie das genau und hören Sie sich die Gegenmeinung an! So verhindern Sie heimliche Treffen.
  • Fördern Sie Schritt für Schritt die Eigenverantwortung ihres Kindes.
  • Sprechen Sie bei konkreten Anlässen über Ihre Sorgen und Bedenken. Geben Sie klare Regeln, statt Verbote zu formulieren. Die Konsequenzen einer Grenzüberschreitung sollten vorher klar sein und mit dem Jugendlichen in Ruhe ausgehandelt werden.
  • Respektieren Sie die Intimsphäre Ihres Kindes. Beantworten Sie Fragen zur Sexualität ehrlich! Damit schaffen Sie eine gute Grundlage, damit Ihr Kind später in einer Beziehung eine verantwortungsvolle partnerschaftliche Sexualität leben kann.
  • Stellen Sie auch nach heftigen Auseinandersetzungen die Beziehung nicht in Frage. Gerade der emotionale familiäre Rückhalt ist wesentlich für den Jugendlichen, um Gruppendruck standzuhalten. Erzählen Sie eine Geschichte aus Ihrer Jugendzeit – das schafft Vertrauen!
  • Reflektieren Sie Ihre eigenen Konfliktstrategien und helfen Sie Ihrem Kind seine Strategien zu erweitern. Gefragt sind überdies Flexibilität, Nachsicht und Humor!
  • Familienrituale, wie z.B. das gemeinsame Abendessen, bieten allen die Möglichkeit für zwanglose Gespräche.

Jeder Vierte der 10- bis 18-Jährigen leidet an einer psychischen Erkrankung

Laut einer aktuellen österreichweiten Untersuchung der MedUni Wien an ca. 3.600 Jugendlichen im Alter von 10 bis 18 Jahren leiden rund 24 % an einer psychischen Erkrankung. Viele Jugendliche erhalten trotz teilweise erheblichen Leidensdrucks keine Behandlung. Für Eltern, Lehrer und andere Bezugspersonen ist es oft nicht leicht, auffälliges Verhalten von „normalem pubertärem Verhalten“ abzugrenzen.

Anzeichen für psychische Probleme sind u.a.

  • auffällige Verhaltensänderungen des Jugendlichen
  • extremer Rückzug (möglicherweise in die virtuelle Welt des World Wide Web)
  • und Vernachlässigung sozialer Kontakte
  • suchtartiges oder selbstverletzendes Verhalten
  • Suizidäußerungen
  • häufige körperliche Beschwerden (Kopfschmerzen, Bauchschmerzen etc.)
  • schlechte Schulleistungen/Schulverweigerung

Initiative der Eltern und anderer Bezugspersonen ist wesentlich

Sprechen Sie den Jugendlichen in Ruhe auf sein Verhalten und die Sorgen, die Sie sich in diesem Zusammenhang machen, an. Zögern Sie nicht, holen Sie professionellen Rat ein. Im Schulkontext sind Schulärzte und –psychologen erste Anlaufstelle. Überdies bieten Fachärzte für Kinder- und Jugendheilkunde, Fachärzte für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Klinische und Gesundheitspsychologen sowie Psychotherapeuten in freier Praxis und Mitarbeiter entsprechender Beratungsstellen Unterstützung.

Mag. Maria Thaller ist Klinische Psychologin und Gesundheitspsychologin. (Foto: Lilly)

Je früher die Behandlung beginnt, umso besser ist die Prognose!
Trotz aller Krisen und Herausforderungen des Jugendalters scheint mir eines ganz zentral: Den jungen Menschen zu vermitteln, dass es das Leben gut mit uns meint, Probleme gelöst werden können und jeder seinen Weg finden wird.

Links:

Notruf für Kinder, Jugendliche und deren Bezugspersonen: 147 (anonym und kostenlos)
Die EU-Initiative Saferinternet.at unterstützt bei der sicheren Nutzung von Internet, Handy & Co.
Beratungsstelle der Österreichischen Gesellschaft für Familienplanung
Sexualpädagogischer Aufklärungsfilm für Jugendliche ab 14

Mag. Maria Thaller ist Klinische Psychologin und Gesundheitspsychologin. Sie ist als Wahlpsychologin für klinisch-psychologische Diagnostik in freier Praxis in Wien-Mariahilf tätig. (Stand: Feber 2018)