Den Geist fit halten

Wussten Sie, dass unser Gehirn schon mit der Pubertät zu altern beginnt? Denn ab diesem Zeitpunkt geht die Produktion eines bestimmten Botenstoffes, der u. a. für die Informationsübertragung zuständig ist, zurück.

Ein Gastartikel von Mag. (FH) Barbara Kaindl

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Barbara Kaindl (Foto: Barbara Jakesz)

Das mag nun etwas enttäuschend klingen, aber lassen Sie sich nicht entmutigen – erfreulicherweise haben Neurowissenschaftler in den letzten Jahren nämlich auch festgestellt, dass unser Gehirn „plastisch“ ist. Entgegen der Langzeit geläufigen Ansicht, wir könnten mit zunehmendem Alter nichts Neues mehr lernen, ist unser Gehirn sehr wohl ein Leben lang veränderbar, lern- und anpassungsfähig.

Ganzheitliches Gedächtnistraining

Warum also nicht unsere grauen Zellen positiv beeinflussen und ihnen das geben, was sie wirklich wollen? Geistige Aktivität und sinnvolle Beschäftigung! Geben Sie Ihrem Gehirn etwas zum Spielen, etwas zum Nachdenken, zum Grübeln und zum Lachen – lassen Sie bloß keine Langeweile oder Eintönigkeit aufkommen.

Genau an diesem Punkt setzt auch ganzheitliches Gedächtnistraining an: Schon in jungen Jahren kann es in Form von spielerischem Lerntraining die Begeisterung fürs Denken und Lernen bei SchülerInnen jeden Alters wecken. Durch die richtige und effiziente Nutzung unserer Nervenzellen wird leichter und mit mehr Spaß gelernt – was wir bis ins hohe Alter nicht vergessen.

Auch Berufstätige, die ihre geistige Flexibilität am Arbeitsmarkt laufend unter Beweis stellen müssen und Interesse an hirngerechten Merktechniken haben, wenden sich an ausgebildete GedächtnistrainerInnen. Ebenso Menschen mit beginnender Vergesslichkeit, die von einem Training der kognitiven Fähigkeiten, die den Erhalt der Alltagskompetenzen zum Ziel haben, profitieren.

Den Geist fit halten mit Kreativität und Freude am Denken

Wie sieht das Training im Erwachsenenbereich nun konkret aus? Beim ganzheitlichen und biografieorientierten Gedächtnistraining, das frei von Zeit- und Leistungsdruck in der Gruppe oder im Einzelsetting stattfindet, geht es darum, möglichst viele Hirnleistungen anzusprechen und die vorhandenen Ressourcen zu optimieren. Anstelle eines einseitigen Übens, wie es z. B. beim Kreuzworträtsellösen der Fall ist, werden verschiedene kognitive, alltagsrelevante Fähigkeiten gefördert, so u. a. durch kreative und humorvolle

  • Übungen zur Wortfindung & Sprachspiele: Haben Sie schon einmal überlegt, welche Worte sich mit den Buchstaben Ihres Vor- und Nachnamens bilden lassen?
  • Fantasie- und Kreativitätsübungen: Was könnte man alles aus Kastanien machen?
  • Schärfung der Wahrnehmung: Schließen Sie Ihre Augen und versuchen Sie im Geiste, den Raum um sich herum so detailliert wie möglich zu rekonstruieren
  • Verbesserung der Konzentration: Wie oft ist das Wort „der“ in diesem Artikel enthalten?
  • Förderung der Denkflexibilität: Lesen Sie die FARBE der folgenden geschriebenen Worte vor, nicht die Worte selbst: grau, schwarz, weiß, schwarz, grau, grau
  • Tipps zur besseren Merk- bzw. Lernfähigkeit: z. B. Lernen mit allen Sinnen!

Letztlich geht es immer darum, zu verstehen, wie unser Gehirn funktioniert, wie jeder am effizientesten lernt und wie wir uns Wissen auf kreative und nachhaltige Art und Weise aneignen können. Eine neugierige und interessierte Haltung tut Ihrem Gehirn, Ihnen als Person und Ihrem Umfeld gut.

Förderung von Interesse und Neugierde für geistige Aktivität

Diese Haltung vermittelt auch der Österreichische Bundesverband für Gedächtnistraining seit 1997, indem er erfolgreich Interesse und Neugierde für geistige Aktivität und Prävention fördert und weckt.

Monika Natlacen und Mag. (FH) Barbara Kaindl sind zertifizierte Trainerinnen des Österreichischen Bundesverbandes für Gedächtnistraining und leiten seit kurzem die Wiener Landesgruppe des Verbandes. Neben der Auseinandersetzung mit alltagsrelevanten Lern- und Merktechniken geht es auch um die Vermittlung von Wissen über unser Gedächtnis, einen gesunden Lebensstil und die damit einhergehende gesunde Ernährung.

Die vom Verband qualitativ hochwertig ausgebildeten und zertifizierten TrainerInnen werden durch laufende Fortbildungen am aktuellen wissenschaftlichen Stand gehalten und sind in einem österreichweiten Netzwerk tätig.

Mag.(FH) Barbara Kaindl ist diplomierter Lerncoach für Kinder und Jugendliche und zertifizierte Gedächtnistrainerin des ÖBV-GT. In ihrer Praxis im 18. Bezirk („Raum für Kreatives Lernen“) legt sie den Schwerpunkt auf die deutsch- und englischsprachige Arbeit mit Kindern und Jugendlichen, denen sie kreative Lern- und Merktechniken auf spielerische Art und Weise näher bringt. (Stand: November 2014)

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